Montag, 1. Mai 2006

Tag 53: Inspirationswochenende

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Das Gestell ist fertig, die Karosserie ist runter, Gestell und Karosserie sind im Lager geparkt und meine Garage ist zum arbeitsmäßig "Vollgas geben" piekfein aufgeräumt.

Ein wunderbarer Anlass also, um endlich mal ein Wochenende Schraubenschlüssel, Schweißgerät und sonstiges zur Seite zu legen, und einen Kurzurlaub zu unternehmen.

"Urlaub machen? – Der spinnt wohl", werdet Ihr jetzt denken. "Erst hält der uns ewig hin mit Heizungsgeschichten, Kondenswassereinbrüchen, Teilereinigung und sonst welchen irrsinnigen Aktionen, und jetzt, wo es eigentlich endlich mal losgehen könnte, fährt der in Urlaub."

Na gut. Dann will ich mal ehrlich sein. Eigentlich war ich gar nicht in Urlaub, sondern im Zeichen des Landcruiser Experimentes unterwegs auf Einkaufstour. Das es ein nebenbei ein Urlaubs-Wochenende wurde, dafür kann ich nix. Da waren die Leute dran Schuld, die ich besucht habe…

Dem Lockruf eines Landcruiser-Genossen mit vermeintlich größerem Bestand an Gebraucht-Ersatzteilen und seiner Einladung, bei ihm im "Schuppen" mal etwas rumzustöbern, folgend, hängte ich an eine berufliche Reise in den Süden Deutschlands noch das Wochenende hintendran.


Urlaub in Landcruiser-Country

Empfangen wurde ich von strahlendem Sonnenschein und, nennen wir ihn mal Jonas (Name von der Redaktion geändert), der, den 184-Grad Bergblick genießend, vor seinem Häuschen saß und Palmwedel für seine beiden Jungs für den Palmsonntag schnitzte.




Jonas lebt dort unten in diesem Idyll von bayerischen Dorf mit seiner zauberhaften Frau und seinen beiden noch zauberhafteren beiden kleinen Söhnen, reist viel in Sachen Off-Road und MotoCross durch die Weltgeschichte und schraubt nebenbei – wenn sicherlich um einiges professioneller und vor allem schon um einiges länger - ganz gerne mal an Landcruisern herum. Mit dem Nebenergebnis, dass er zwischenzeitlich ein beachtlichen Bestand an Ersatzteilen vorweisen kann.

In diesem Bestand mal ein bisschen zu kramen und das eine oder andere auf meiner Einkaufsliste aufgeführte Teil zu erstehen, war eigentlich der Sinn dieser Reise gewesen. Doch Jonas hatte für meinen Aufenthalt einiges an Programm in Petto.

Erstmal ging es los zu einer kleinen Schuppen-Besichtigung, von der ich leider keine Photos gemacht habe, bei der mir aber definitiv das Herz übergegangen ist.

Stellt Euch mein gerade freigelegtes Fahrgestell um ca. einen Meter Sechzig länger, um ca. 30 cm höher in fast komplett restauriertem Zustand vor. Boah!!!! Was der da für ein geiles Teil rumstehen hat. Wenn das mal fertig ist, ist das der absolute Landcruiser-Cruiser. Wenn ich doch nur schon so weit wäre…

Das war aber noch nicht alles, denn vom ersten Eindruck her quollen aus allen Ecken im Schuppen mir inzwischen bekannte Karosserie-, Motor-, Rahmen-, Gummi- und Kleinteile hervor. Ein Landcruiser-Shopping Eldorado.

Das war Freitagabend. Zum Shoppen sollte Samstag oder Sonntag noch genug Zeit sein und so ging es nach ein paar leckeren Weißbier und jeder Menge aufschlussreicher Fachsimpelei nach Hause zu Jonas an den Esstisch zu einer oberleckeren Portion Pasta und ausgedehnten Gesprächen über Reisen durch ferne Länder, Offroad-Touren und natürlich über Landcruiser in allen Facetten und bis in die tiefe Nacht.


Steinbeisser Trophy

Für den nächsten Tag, so Jonas, sollte es für mich als Offroad-Rookie mal was zu sehen geben.

Um knapp nach Acht war die Nacht zu Ende (super Urlaub!), doch belohnt wurde das frühe Aufstehen mit wieder strahlendem Sonnenschein, lecker heißem Kaffee und "Semmeln" vorm Dorfbäcker und Wurscht vom Dorfmetzger und einem Plan. Als Städtler weiss man das alles ganz schön zu schätzen!

In der Nähe von Ingoldstadt sollte an diesem Tag die legendäre Steinbeisser-Trophy stattfinden. Die Steinbeisser Trophy ist eine jährliche Zusammenkunft von Leuten, die Ihre Geländewagen nicht nur zum streicheln, schonen, angeben oder restaurieren haben, sondern die Dinger auch so richtig hart rannehmen, um ihnen a) zu zeigen, wer der Herr im Hause ist und b) mal zu sehen, wo die Grenzen von Mann und Material liegen.

Steinbeisser Trophy also kein Kindergeburtstag, sondern nur was für die ganz Harten. Naja. Vielleicht eigentlich doch auch irgendwie Kindergeburtstag, nur halt für Erwachsene, bzw. für das unvernünftig gebliebene Kind im Manne mit genug Taschengeld, um riskieren zu können, dass dabei schon mal richig teuere Sachen kaputt gehen.


Abfahrt

Wie dem auch sei. Einigermaßen ausgeschlafen und gestärkt wird kurz überlegt, welches Fahrzeug genommen wird. Wir entscheiden uns für den Landcruiser hinten rechts auf dem ersten Photo und Jonas's Kumpel fährt.






Nach knapp anderthalb Stunde sind wir am Ziel.

Die Trophy findet in einer alten Kiesgrube irgendwo im Hinterland von Ingolstadt statt. Geparkt wird auf einem Waldweg und dann geht's zu Fuß weiter zum Ort des Geschehens.

Warnschilder am Wegesrand bringen einen schon mal ein bisschen in Stimmung.




Hinter dem Waldstück erwartet uns eine Kulisse, die einem Mad-Max Film zur Ehre gereichen würde. Hügelig,




…schlammig, …




karg, ...




…und weitläufig.





Allein der strahlend blaue Himmel lässt diesen Ort ein bisschen freundlicher erscheinen.




Und natürlich dieser wunderbare Geruch von Benzin in der Luft…

Gut 30 bis 50 Wagen sind hier unterwegs. Jeeps, Suzukis, Mercedes, Landrover, Toyotas (Hilux und natürlich Landcruiser), Talbots und wasweissichnichalles sind vertreten.

Alle hochgezüchtet bis zum gehtnichtmehr und alle verschmoddert und verschlammt ohne Ende.




Die Steigungen sind dermaßen heftig, das der Motor nicht mehr annähernd fürs hochkommen verwendet werden kann. Hier ist die Power der Seilwinde und die Hilfe der Teamkollegen gefragt.




An anderen Stellen fährt es sich dagegen fast schon gemütlich.




Spätestens hier oben hätte ich an Stelle des Fahrers Bock auf ein Bier. Was das wohl für ein Gefühl ist, fast senkrecht gute 5 Minuten lang einem 1,2cm dicken Stahlseil vertrauen zu müssen…




Nach dem ganzen Bergauf fahren geht's zur Abwechslung mal ein Stückchen bergab in die Schlammpfütze…




wobei bei den unterschiedlichen Wagentypen da auch unterschiedliche "Figuren" zu stande kommen:




Aber gerade dieser gelbe TOYOTA-Hilux gibt auf dem gesamten Event ein ganz schön gutes Bild ab:







Am Schlamm wird hier natürlich nicht gespart.










Und am Bier auch nicht:




Die Landcrusier-Fraktion ist hier im Vergleich zu Anderen zwar etwas unterbesetzt – aber dennoch vertreten:






Kurz vor Ende der Veranstaltung, auf der Zielgerade, sozusagen, wird schließlich doch noch deutlich, dass das hier tatsächlich KEIN Kindergeburtstag ist. Als ein Suzuki den steilen Zielgeraden-Anstieg nicht auf Anhieb ganz schafft, sich leicht zurückrollen lässt und versehentlich das Lenkrad einschlägt kommt der Wagen von der Bahn ab, kippt zur Seite und rollt ca. dreißig bis vierzig Meter den Abhang herunter, wobei er sich bestimmt 10-mal überschlägt und Zuschauer am Hang gerade noch in letzter Sekunde zur Seite springen können.

Aua Aua. Das war echt nicht lustig und alle waren extrem erleichtert, dass beide Insassen die Nummer überlebt haben und scheinbar nur leicht verletzt und bei Bewusstsein aus dem total zerschrotteten Wagen geholt wurden.

"Don't try this at home" kann ich da nur sagen! Für nen Moment hat die Aktion der sonst so guten Laune auf jeden Fall einen ganz schönen Dämpfer versetzt.




Im Anschluss an die Trophy waren wir mit Kumpels von Jonas (samt Landcruisern in allen Variationen) noch nen Kaffee trinken und dann ging es zurück ins Landidyll.




Und da war dann auch der Akku meiner Camera leer.

Was mehr als schade ist, denn zu gerne hätte ich ein paar Bilder von Jona's Werkstattschuppen gemacht. Davon, so viel Platz und vor allem so viel Zeug zu haben werde ich noch Monate lang träumen.

Wovon ich allerdings auch noch Monate träumen werde ist diese unglaubliche Unkompliziertheit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Familie Jonas! Vielen Dank an Euch vier dafür und auf eine Revanche bei einem Besuch in Berlin!


Vollbeladen nach Hause

Ganz zu schweigen davon, dass dieses Wochenende nach der ganzen Schrauberei und Schreiberei der letzten inzwischen11 Monate unheimlich gut getan hat, war es auch eine mehr als erfolgreiche Reise für das Experiment.

Vollbeladen mit nützlichen Teilen komme ich Sonntag Abend gegen 23 Uhr (ein Abstecher in die Berge auf dem Rückweg und gute zwei Stunden snowboarden im letzten bayerischen Schnee diesen Jahres mussten natürlich auch noch sein) in Berlin an.

Zwar bei weitem noch nicht alles, aber einen großen Teil an Teilen, die ich auf meiner Einkaufsliste hatte, konnte ich dieses Wochenende besorgen.

Beschafft wurden:

1. Unterbodenschutz vorne
2. Unterbodenschutz Mitte




3. Lüftungsschacht
4. Gummimanschette Kupplung
5. Ledermanschette Differenzialkupplung
6. Halterung Lichtmaschine
7. Tachopese
8. Gaszug
9. Abdeckung Handbremse
10. Dichtung Heizungsrohre (dort wo der Hockepuck saß)
11. Abdeckung/Hitzeschild Auspuffkrümmer
12. Deckel Kupplungszylinder
13. Scheibenwischwasssermotor
14. Abstandingsbumbs Fahrertür
15. Heizungswasserventil
16. komplette Innenraumheizung (von der ich eigentlich nur die Rohre und den Heizungsblock benötige)




Die Betrachtung all dieser Einzelteile stimmt mich höchst motiviert und nimmt mir schon mal wieder ein bisschen Sorge, wie ich das alles hier denn überhaupt organisiert kriegen soll.

Und deshalb geht es nächste Woche auch wieder doppelt motiviert weiter mit dem Schrauben!!!

Liebe Grüße

Tsu.

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8 Kommentare / Ratschläge

Anonymous Anonymous hat gesagt...

Steinbeißertrophy?

Oje, da warst Du ja bei den Beklopptesten der Bekloppten! Jetzt ist ist Dir wohl nicht mehr zu helfen! Schätze mal, auf Deiner Einkaufsliste stehen schon SuperSwamper und ne Winde?!

Nu mach hinne und dann hin zum Kreuzgelenkzerreißen!

Gruß Steffen

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Anonymous CptBlaubaer hat gesagt...

haha wofür macht man sich denn die mühe und restauriert seinen toyo, wenn der danach nciht mal zum spielen rausgelassen wird?
Schlammgruben und grobes gelände sind die natürliche umgebung für einen toyo. wenn man ihn niemals dorthin läßt wäre das keine artgerechte haltung!!

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

He Cäptn,

ich war dreimal bei der Breslau, ein bisschen bekloppt muß man da schon sein, und das ist durchaus liebevoll gemeint! Natürlich muß der Toyo ins Gelände! Nur wenn ich mich mit ner Winde einen 85 Grad-Hang hochziehen lasse kann ich mich auch auf nen Baumstamm setzen, dazu brauche ich keinen GW. Ich will FAHREN. Aber das ist Geschmackssache und soll jeder halten wie er denkt.

Gruß Steffen

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Anonymous Tsuppari hat gesagt...

jau, ich denke auch, ein bisschen schlamm fressen muss schon drin sein. die viehcher fühlen sich ja auch unwohl, wenn sie nur auf der straße fahren dürfen. aber in 85 Grad am Hang hängen find ich auch nicht so prickelig. Da schon lieber Hang Over am nächsten Morgen nach einer ausgiebigen Schlammschlacht... ;-)

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Anonymous CptBlaubaer hat gesagt...

yo! stimmt! fahren is besser als winchen! war auch garnicht als gegenspruch zu deinem kommentar gemeint. Die winde wird am besten nur benutzt um andere "geländewagen" ausm Dreck zu ziehen!
:-)

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Es gibt eigentlich 3 Fraktionnen von Geländewagenfahrer

1) Ein bisschen schlammen und einfach nur Spass haben.

2) Mit Winde etc. arbeiten und schauen wo man überall einen Geländewagen parken kann. Fahren steht nicht im Mittelpunkt.

3) Edelgeländewagenfahrer wie VW-Touareg mit 24 Zoll Niederquerschnitt-ich-komm-keine-Bordstein-mehr-hoch-Reifen/Felgen.

Persönlich bevorzuge ich Variante 1 und würde den Personen aus Gattung 3 raten in den Limosinen-Tiefer-härter-breiter-lauter-Umstieg raten.

Also. immer schön schlammen....

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Anonymous Tsuppari hat gesagt...

wobei nen touareg meiner meinung nach auch kein unschickes auto ist. nur halt in ner anderen kathegorie... aber die niederquerschnittsreifen sind natürlich bei so ner karre gaanz hart an der grenze...

grüße

tsu.

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Anonymous CptBlaubaer hat gesagt...

mh mh! ich gehör(t)e eher zu 1) mit tendenz zu 4), die du noch nicht erwähntest:
4)Diejenigen, die den Geländewagen eher wegen ihrer sekundären Vorteile fahren. Viel Platz drin, gute Übersicht im Straßenverkehr, hervoragendes Zugfahrzeug, und er bringt dich überall wieder raus wo du reingefahren bist.

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