Montag, 2. Juli 2007

Tag 111: Tiefenrausch

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Boah. Heute bin ich, ehrlich gesagt, eigentlich viel zu platt, um hier jetzt noch meinen letzten Job für die Woche zu tun: Tag 111 schreiben.

Es ist halb 10 am Sonntagabend und meine beiden Süßen und ich sind gerade erst vom Wochenendbesuch von den Großeltern mütterlicherseits zurück. Das Wochenende davor waren wir bei meinem Vater (600 km eine Strecke), das davor war meine Mutter zu Besuch, das davor mein Kumpel aus Japan… Und im Job brennt seit Ende letzten Jahres die Hütte.

Will heißen: Ich laufe auf dem Notstromaggregat.

Aber das ist nicht schlimm, denn es sind nur noch 3 Wochen bis zum Urlaub und da werde ich dann ausnahmsweise mal eine richtig ruhige Kugel schieben.


Vorher gibt es jedoch noch einiges zu berichten und zu tun, damit ich pünktlich zum Urlaub hier die offizielle Halbzeit ausrufen kann. Und zu der habe ich ein, zwei kleine Überraschungen parat. Aber dazu mehr, wenn's so weit ist…

Diese Woche gab's aber erstmal für mich ne Überraschung. Wenn auch ne angekündigte.

Es kam Post von Dirk aus Australien. Wobei ich ein bisschen verwirrt war, dass das Päckchen von Dirk in Deutschland versendet worden war, obwohl Dirk, wenn ich jetzt nicht irgendwas verwechsle, in Australien lebt. Vielleicht verlier ich hier jetzt komplett die Übersicht?

Wie dem aus sei. Dirk hat mir ein Restaurationshandbuch für die Landcruiser J4-Serie geschenkt. Und zwar nicht das Werkstatthandbuch von Toyota selbst, sondern eines von einem bekannten australischen Schrauberverlag, wo die Beschreibungen etwas kompakter, mit eigenen Zeichnungen und speziellen Hinweisen und Tipps abgebildet sind und das ganze halt auch vom Format ganz gut handelbar ist.



Und das kommt heute wie gerufen, wie man gleich sehen wird.

Dir auf jeden Fall vielen Dank für das Geschenk, Dirk! Werde mich bei Zeiten (in Australien?) revanchieren!



Jetzt aber weiter im Text.

Waren wir doch beim letzten Mal stehen geblieben bei der finalen Demontage der Hinterachse.

Bei den kommenden Arbeitsschritten, wird, denke ich, noch mal richtig in die Materie eingetaucht werden.



Da hilft's doch schon mal ungemein, erstmal auf Zeichnungen nachzuvollziehen, wie das Ding eigentlich funktioniert und welche Teile und Arbeitsschritte einen erwarten werden:




Die finalen Arbeitsschritte bis zum Erreichen des Nullpunkts/der Halbzeit sind: Steckachsen und "Radlaufblenden" Hinterachse raus, Hinterachsendifferenzial raus, Vorderachsendifferenzial raus.

Dann ist die karre komplett zerlegt und der Weg zurück beginnt.

Na denn mal los. Beginnen wir mit dem Vorderachsdifferenzial.




Die Muttern werden mit der Ratsche gelöst.




Und bei dem Verbindungspunkt zwischen Differenzialende und Kardanwellenende stoße ich auf die erste unüberwindbare Hürde.

Dort sitzt so eine fette Mutter mit einer hochstehenden Umrandung. An einer Stelle war die Umrandung zur Sicherung der Schraube in eine Aussparung des "?" umgebördelt. An diese Sicherung muss sich mal jemand grob rangewagt haben, denn der Rest, der von diesem Umgebördelten noch steht ist so kurz, dass ich ihn nicht mehr in die andere Richtung zurückbördeln kann.

Und überhaupt werde ich Schwierigkeiten bekommen, diese scheinbar sehr fest sitzende Mutter überhaupt loszubekommen. Denn ich kann die Welle hintendran nicht festhalten oder vernünftig blockieren, sodass sich der ganze Kladderadatsch mit dreht, wenn ich versuche die Mutter abzuschrauben.
Grmmph.




Hilft da vielleicht der Gasbrenner, den ich nun letztendlich auf den letzten Metern doch noch besorgt habe?




Was da sicher nicht hilft, was ich Euch aber nicht vorenthalten wollte, ist der neue Gewindeschneidsatz. Den hatte ich letztes Jahr im November von meinem Vater (in Bar) geschenkt bekommen, seither aber keinen vernünftigen gefunden. Vorletztes Wochenende bin dann mit meinem Vater in Duisburg losgezogen und haben diesen in einem ziemlich gut sortierten, großen Werkzeugfachhandel erstanden.

Er enthält jeweils 3 unterschiedliche Schneideisen (vorschneiden, nachschneiden, perfektionieren?) für Innengewinde für M3, M4, M5, M6, M8, M10 und M12 mit dem entsprechenden Griff zum einspannen und Drehen der Eisen. Außerdem gibt's jeweils ein Außengeweinde Schneideisen für die gleichen Schraubendurchmesser.




Um deswegen nicht irgendwann dann noch mal Rennerei zu haben, wenn ich eigentlich so weit bin, dass ich alles da hab, was ich für die anstehenden, tatsächlichen Restaurationsarbeiten benötige, hab ich gleich noch entsprechende Gewindebohrer (die krummen Größen hab ich mir nicht gemerkt) mitgeholt. In einem größeren Schneideisensatzsatz waren die mit enthalten. Aber da war mir zu viel Kram drin, von dem ich der Meinung war, dass ich ihn nicht brauche.




Das aber nur nebenbei.

Was liegt denn da auf dem Garagenboden? Eine Tellermine?




Nein, es ist der Differenzialdeckel der Hinterachse. Habe hier weder rohe Gewalt, noch den Gasbrenner anwenden müssen, sondern das Ding durch geduldiges Bearbeiten mit einem kleinen Elektriker-Schraubenzieher aufgehebelt.




Von innen ist der Deckel sauber verölt.

Dabei fällt mir ein: Am Wochenende hat mir mein "Schwiegervater" erzählt, dass bei Traktoren und Landmaschinen die Differenzialöl-Ablassschraube magnetisch ist. Und zwar damit, wenn's irgendwas im Getriebe abreißt, diese Teile oder Späne dort festgehalten werden und man beim Entfernen der Schraube gleich merkt, dass was kaputt ist.

Sehr cool! Hat der Toyo das auch schon?




So, und das ist, was ich vorhin mit "ganz tief in die Materie abtauchen" meinte.

Das ist definitiv "ganz tief in die Materie" für mich. Hoppala:




Aus Müdigkeit und Mangel an Vokabeln lass ich die Bilder für sich sprechen:











Aber wir sind noch nicht fertig.

Ich wollte ja nicht so zum Spaß den Deckel abnehmen, um zu gucken, wie es drinnen aussieht. Der Deckel musste als erster Schritt runter, um die Achsen aus dem Achskörper zu entfernen.

Und dazu musste laut Handbuch erstmal ein Sicherungsstift entfernt werden, um dann so einen Bolzen rauszulösen, der zwei von den vier ineinander greifenden Zahnrädern freigibt, die ich dann rausnehme, um weiter voranzukommen.

Aber ich hab den Stift erstmal gar nicht erst gefunden. Gesucht und gesucht hab ich, bis mir Wolli, mit dem ich parallel telefoniert hatte, gesagt hat, dass ich einfach nur mal meine Augen aufmachen sollte.

Und das tat ich dann auch.




Stift raus, Zwischenzahnradhaltebolzen raus.

s


Zahnrüder raus. Der eine hier nicht zu sehende Ring liegt noch irgendwo im Differenzialkörper. Muss ich mich später drum kümmern.




So schaut man dann in den Differenzialkörper rein. Da sieht man das große Zahnrad links und rechts weiter unten ein weiteres kleines. Dem gegenüber liegt noch mal genau so ein kleines, dass hier nur auf dem Bild nicht zu erkennen ist.

Jetzt muss man die beiden Achsen, vom vorderen Achsende her nach innen schieben (die haben so drei bis fünf Millimeter Spiel).




Dann kann man diesen C-Ring vom hinteren Achsende entfernen. Je nachdem in welcher Stellung er gerade ist, wenn man die Achswellen reinschiebt, kann der auch gleich schon runterfallen. Der ist quasi nur drauf geschoben. Mir ist der eine natürlich prompt nach unten in den Differenzialkorb gefallen.




Aber egal.

Jetzt kann man auf jeden Fall auch die beiden anderen Zahnräder entfernen…














…und die Achswelle herausziehen. Was auch bei der einen gleich gut klappt.




Die andere wollte überhaupt nicht.




Auch die noch (BASE macht's möglich ;-) ) andauernde Telefonkonferenz führte zu keinen Erkenntnissen, was hier los sein könnte. Irgendwo schien die sich verklemmt zu haben, da sie beim Herausziehversuch immer an einem mechanischen Widerstand zu hängen schien. Verkantetes Lager? Festgerostet?




Keine Spur. Letztendlich stellt sich heraus, dass die Blende, von den Radbolzen hinten am Achsende gehalten wird, total demoliert ist, und verhindert, dass die Achse über das umgebördelte Achskörperende herausgezogen werden kann.




Letztendlich hilft nur noch die Flex.




Ja, manchmal führt halt doch nur rohe Gewalt zum Ziel.






Hier sieht man das umgebördelte Ende…




Hier noch mal von der Seitenansicht.




Auf jeden Fall sind die Achsen raus. Wieder ein Schritt weiter.






Jetzt kann man einmal komplett durch die Achse durchgucken.




Was fehlt jetzt noch?

Eigentlich nur die Entfernung der Differenziale und der Radlaufblenden an der Hinterachse.

Dann ist die Karre wirklich komplett zerlegt.




Um die Differenziale rauszunehmen muss ich laut Wolli wohl erstmal die Halterungsschrauben des großen Zahnrades lösen.




Was sind dann die nächsten Schritte?




Jetzt sind die nächsten Schritte erstmal die nach Hause, bzw. meine sind jetzt die ins Bett!



Noch zwei Wochen bis zur Halbzeit.

Gute Nacht!

Tsuppari

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