Dienstag, 6. Februar 2007

Tag 91: Im Untergrund

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Tag 91 ist erreicht, und wir stehen nicht vor einem Trümmerhaufen, sondern wir stehen vor dem NICHTS.




Gleich am vergangenen Montag, kaum ein Tag war vergangen, nachdem ich die Garagen geräumt hatte,




sind die Dinger vom Vermieter dem Erdboden gleich gemacht worden.




Vorletzte Woche stand hier noch alles…




und jetzt ist alles weg.

Der Schuppen meines Vermieters, …




"Meine" Werkstatt…




und auch Peters Hütten…




gehören der Vergangenheit an.

Dieses Kapitel ist damit also final abgeschlossen.

Mein Vermieter geht in Rente, Peter hat eine neue Bleibe in Berlin Schönefeld gefunden…




und mir bleibt nichts anderes übrig, als mich erstmal in den Untergrund zurückzuziehen.

Mit dem Pächter der in Aussicht stehenden Garagenhalle habe ich gestern noch mal gesprochen.

Er bleibt bei seinem Handschlag.

ABER:

1. Erst muss er noch die Immobilienverwaltung informieren, dass er die Garage untervermieten möchte. Problem ist, dass der Geländeverwalter nichts für Schrauber übrig hat und froh (und stolz darauf) ist, in den letzten Jahren einige davon vom Gelände geschmissen zu haben.

Kenne das Verhältnis zwischen meinem künftigen möglichen Vermieter und dem Verwalter nicht, hoffe aber, dass der beim Stichwort "Restauration" nicht gleich dicht macht und der Traum von der Superlocation nicht genau so schnell wieder zerplatzt, wie er geträumt wurde.

Denke, die Chancen liegen fiftyfifty, dass es mit der Garage etwas werden könnte.

2. Als ich Samstag mit dem "Vermieter" gesprochen habe, war der Mieter des Gebäudes gleich nebendran mit dabei. Nachdem ich ihm erzählt habe, dass ich keine Bleibe mehr habe, da sie wegen einem Straßenbau auf meinem alten Gelände meine Werkstatt abgerissen haben, legt der mir offen, dass er auch immer nur einen 3-monats-Vertrag bekäme, da hier so etwas ähnliches in Planung sei. Das allerdings schon seit 2000.

Mmh. Da wird mir ja ganz mulmig. Irgendwoher kenne ich doch solche Aussagen.

Er meint jedenfalls, dass es sowohl dieses, als auch nächstes, als auch wasweisserwann soweit sein könnte, dass hier die Abrissbirne geschwungen wird.

Ihr wisst, was das bedeutet?

Falls ich die Garage bekomme und nehme, könnte es also in ein paar Wochen / Monaten / nächstes Jahr hier wieder einen Großalarm geben. Und ich weiß nicht, ob ich dann nicht so weit bin, tatsächlich alles hinzuschmeißen.

Mmmh. Ob ich das Risiko wohl eingehen soll…? Was meint Ihr?

Geil wär's schon mit dem Schuppen. Vor allem, da mir der Vermieter aus seinem Insolvenzgüterbestand Regale, einen Teilewascher und eine Abkantbank (!!!!!!!!!) mit in die Garage stellen würde. Puh. Das klingt alles mehr als verlockend…

3. Muss der Vermieter seinen ganzen Krempel noch aus dem Schuppen rausschaffen und irgendwoanders einlagern. Vorher muss er aber noch nach Malta und noch hierhin und dorthin. Bin mir also nicht wirklich sicher, ob, wenn es unter Berücksichtigung von 1. und 2. tatsächlich zur Anmietung kommt, es auch am 1. März (!) schon mit dem Einzug kommt.

Nichts ist also entschieden und es bleibt uns nichts anderes übrig, als erstmal zu improvisieren.

Der erste Schritt war ja bereits die Verfrachtung des Kabelbaumes in ein leerstehendes Kellerapartement.

Da hier aber kein unmittelbarer Zugriff auf Strom möglich war, habe ich mich mal umgetan und jetzt die Möglichkeit bekommen, einen leer stehenden Keller im Nachbaranwesen für die Arbeiten am Kabelbaum zu nutzen.




Nachdem die letzten Monate relativ investitionsfrei verlaufen sind, verschlägt es mich am Samstag dann aber doch wieder einmal in den Baumarkt.

Erstens, um zig Meter starke Schnur zu kaufen, um damit die Plane um das Fahrgestell neu zu verschnüren.

Hatte das zwar letzte Woche schon mal mit Spanngurten getan, aber die haben jemandem scheinbar so gut gefallen, dass sie am Freitag nicht mehr da waren. Wie armselig. Aber das ist halt Berlin.

Oder ist das schon Deutschland???

Wenn ich in meiner Naivität nicht selbst dran schuld wäre, würde ich mich drüber ärgern. So bleibt mir nichts anderes, als die Plane halt irgendwie unattraktiv neu zu fixieren. Aber traurig ist's trotzdem.

Naja.

Der zweite Kauf war eine vernünftige Kabeltrommel mit Metalltrommel und feuchtigkeitsgeschützten Steckdosen. Um für alle Fälle gewappnet zu sein, hab ich gemäß Captain Blaubär's Ratschlag von Tag 17 eine mit 40 Metern Kabel genommen.

Das Kabel läuft von der Wohnung meines Kumpels an der Hauswand herunter und wird durch einen Spalt im Kellerschachtgitter nach unten in den Keller geführt.




Das hier ist sie nun, die Experiment-Behausung für die nächsten Wochen:




Den Kabelbaum schleppen wir gemeinsam von meinem Keller herüber.




So lässt sich's doch arbeiten. Nicht zu kalt, hell genug und auch irgendwie schon wieder gemütlich.




Trotzdem komme ich mir ein kleines bisschen vor, wie im tiefsten Kerker…




Allerdings nicht bei Wasser und Brot, sondern bei Bier und Zigaretten.




Der Gefangene von Alcatraz.




Genug gequatscht, genug Zeit mit Rumräumen und Organisieren verbracht.

Freue mich, jetzt endlich mal wieder zu arbeiten zu kommen.

An Tag 85 hatten wir den Kabelbaum von der Zündung ab runter in Richtung rechts durchgearbeitet und waren bis zum Stecker für den Scheibenwischermotor gekommen.




Eigentlich wollte ich genau dort jetzt auch weiter machen. Aber irgendwie finde ich keinen vernünftigen Einstieg.






Ich bleibe an den drei Relais hängen, von denen ich keines auf Anhieb zuordnen kann.





Als ich dann auch noch Abzweigungen bemerke, die scheinbar niemals irgendwo hin liefen, gebe ich in die Richtung für's erste Mal auf.




Irgendwie ist mir das heute alles zu durcheinander. Zu viele Kabel, zu viele Dinge im Kopf, stehe ich wie der Ochs vorm Berg.

Um aber doch einen Einstieg zu finden, schaffe ich mir ein bisschen mehr Blickfreiheit, indem ich alle die Kabelstrangstücke, die ich beim letzten Mal schon zugeordnet und beschriftet hatte, entferne und bei Seite lege.

Hiermit werde ich, denke ich, auch beim Restaurieren anfangen und erste Erfahrungen beim Crimpen und so sammeln.




So sieht es doch schon viel besser aus.




Wie schon beim letzten Mal wühle ich mich Stück für Stück durch die Abzweigungen.

Folgendes ist hierbei das Vorgehen:

1. Ausmessen des Kabelstückes von der jeweils letzten bis zur jeweils nächsten Abzweigung.
2. Anfertigen eines gelben Etikett-Streifens, auf dem ich eine fortlaufende Nummer und (insofern bekannt) eine Bezeichnung für das was hier abzweigt oder als Verbraucher hintendran hängt, vermerke. Das Etikett wird am Kabelstück angebracht.
3. Anfertigen eines kleinen Etikett-Schnipsels, auf dem ebenso die Nummer vermerkt wird.
4. Finden des Steckers/Verbrauchers/Relais, etc. auf dem Schaltplan. Die Nummer wird dann dort an der entsprechenden Stelle aufgeklebt.

Auch für die Verbraucher, die ich nicht zuordnen kann bekommen eine Nummer und ein Fähnchen. Die Nummern-Etiketten-Schnipsel werden, um sie später nicht zu vergessen, auf den Schaltplan aufgeklebt.

Wenn ich den kompletten Baum durch hab sehe ich auf dem Schaltplan alle die Verbraucher, die zugeordnet sind und kann dann mit Hilfe von Kabelfarben (und hier und da vielleicht auch ein bisschen Logik) auch noch die fehlenden zuordnen.

Folgende "Verbraucher" (sind gar nicht alles Verbraucher aber ich finde kein allgemeineres Wort für das, was sich meine), lassen sich ohne weiteres identifizieren:

21: Lichtschalter
22: Vorglühanzeige
23: Abzweigung Blinkerrelais (ist bei mir nicht original und den Stecker hat irgendwer mal abgeschnitten.
24: "Sicherungskasten"
26: Scheibenwischwassermotor
27: Kabel, das zum Bremszylinder führte
28: Fusible Link (Wie heißt das Ding auf Deutsch? Ist eine Kurzschluss-Vorkehrung, oder?)
33/34: Abzeigungen von Licht, Blinker, Bremskraftverstärker etc. (Alles, was später unter dem Auto nach hinten führt).







Am Lichtschalter war wohl mal ein Kabel durchgebrannt.

Das hat der Vorbesitzer so repariert:




Die Kabel, die vorne im Motorraum zur Batterielaufe sind total durcheinander. Kable sind am Stecker abgezwackt, überspringen den nächsten Stecker, führen sofort zur Batterie, etc.

Hier werde ich einiges zu tun haben. Insbesondere, da es sich hier um die Stromspeisung für die ganze Karre handelt.




Im Schaltplan sind im Zusammenhang mit den drei Steckern in Richtung Batterie drei so geschwungene Zeichen eingemalt. Was bedeuten die wohl???




Nun denn.

Weiter.

Kurz vor der Abzweigung der Kabel für unten und hinten (33/34) ist noch die Nummer 32. Scheint nie in Gebrauch gewesen zu sein.

Weiß jemand, wofür die Abzweigung ist?




Bei 35, 36, 37 und 38 bin ich mir auch nicht ganz sicher, wofür die sind.

Muss da mal durch vergangene Arbeitstage hier im Experiment stöbern. Da finde ich das sicher raus.




Kabel 38 könnte gut für das Klackern im EDIC-Relais verantwortlich gewesen sein. Das war nämlich, soweit ich mich jetzt erinnere ganz schön provisorisch angebracht gewesen.

An Stecker 35 war ein Kabel angeschlossen, das an den Getriebeblock führte. Nur wofür? Keine Ahnung…




Mit den Arbeiten von heute bin ich in "Richtung links" ein ganzes Stück vorangekommen. Schöner Nebeneffekt: Darüber sind mir auch einige Dinge für die Relais auf der rechten Seite klarer geworden. So reimt sich das nach und nach zusammen.




Letztes Mal hatten wir es von 1-20 geschafft. Heute von 21 bis 38.

Vielleicht schaffen wir es beim nächsten Mal mit der Bestandsaufnahme ganz durch zu sein.

Freue mich schon ans Auseinanderfummeln… ;-)




Zum Wegsortieren der abgesteckten Kabelstrangstücke eignet sich eine alte Nagelleiste hervorragend.




Und schon herrscht auch hier wieder Ordnung… ;-)




Jetzt gilt es nur noch, das ganze Gekritzel ordentlich zu übertragen…




Here we go:

Die Arbeiten von heute:




Und der bisher "aufgedeckte" Kabelstrang in seiner Gesamtheit…




Bin gespannt wie es aussieht, wenn die Farben noch dazukommen…;-)

Liebe Grüße und eine hervorragende Woche wünscht

Tsuppari

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8 Kommentare / Ratschläge

Anonymous Anonymous hat gesagt...

Hi Tsu,
mangels Ahnung kann ich mich leider nicht zu deinen Kabelbaum-Arbeiten äußern, aber wegen der neuen Garage: Bevor du da was überstürzt, such lieber in aller Ruhe, lass dir Zeit und nimm eine Werkstatt in der du dann auch sicher bleiben kannst...wäre schade wenn das Experiment an sowas profanem wie der Location scheitert scheitern sollte.

Grüße,
David

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Moin,
im Prinzip sehe ich das wie David, wenn jedoch gar nichts anderes geht nimm die Halle, und wenns für ein halbes Jahr ist. Solltest halt nicht soviel Energie in die Einrichtung stecken, sondern sehen dass du mit der Restaurierung weiter kommst.
Aber egal wie du dich entscheidest: du musst dem Mann unbedingt die Abkantbank aus dem Kreuz leiern! Die brauchst du (respektive ICH) GAAAANZ dringend.;-). Ich wäre da auch finanziell mit im Boot.
Überlege dir auch nochmal ob du nicht doch das Fahrgestell zu mir raus bringen willst. Wäre doch schade wenn eines Tages noch mehr fehlt als "nur" ein paar Zurrgurte.

Gruss Steffen

PS: Ich weiss immer noch nicht so richtig was du nun eigentlich mit dem Kabelbaum vorhast???

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Anonymous Tsuppari hat gesagt...

hi steffen, der kommentar kommt wie gerufen. hab gerade einen anruf vom geländeverwalter bekommen. das fahrgestell muss in den nächsten drei Tagen da weg... "hier dürfen nur angemeldete fahrzeuge geparkt werden"..

könnte k.....

HILFE!

Denke, wenn die sich schon wegen dem gestell so appelkatschig haben, werden die auch wegen der halle stress machen.

die sollen erstmal aufpassen, dass da aufm gelände nicht ständig sachen wegkommen.

a.er.

tsu.

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Wir brauchen nur einen Trailer...

Gruß Steffen

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Übrigens die geschwungenen Dinger auf dem Schaltplan stellen Sicherungrn Dar.
Schau mal tiefer in die Dokumentation, die Du Dir von mir mitgenommen hast. Da findet sich noch der eine und andere Hinweis.
Güß JüLa

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

fusible ist spanisch für "(elektrische) Sicherung"

und Link? keine ahnung, einfach mal draufklicken? ;-)

an sonsten,
Weitermachen!

Gruß
Kai

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Hi Tsu,

wegen der neuen Location: Bevor Du Dich festlegst, geh' doch einfach mal beim Bauamt vorbei und frage nach dem Stand. Die können Dir sicher Auskunft geben, was genau und vor allem, wann etwas geplant ist. Und manchmal sind auch Behörden ganz umgänglich. Im Notfall kannst Du immer noch mit Veröffentlichung hier drohen ;-)

Gruss
Andy

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Anonymous Tsuppari hat gesagt...

jau, das bauamt sollte ich mal aufsuchen. hab schon im internet mal ein wenig über die bauvorhaben recherchiert, da aber nix aussagekräftiges gefunden.

was eine "veröffentlichung" angeht glaube ich nicht, dass das viel bringt. bessere idee ist es, die garage einfach zu besetzen. das hat schließlich tradition hier in berlin ;-)

sollen die ruhig mal mit ihren wasserwerfern und hundertschaften kommen...

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