Montag, 16. April 2007

Tag 101: Zweite Achse raus

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Nachdem wir vorige Woche erfolgreich die Hinterachse demontiert haben und wegen störrischer, mit Gummihülsen verwachsener Bolzen jäh vom Ausbau der Vorderachse gehindert wurden, wird heute nicht lange gefackelt und die Gewaltandrohung wird wahr gemacht.




Da es mir nicht beschieden war, einen Schneidbrenner oder zumindest eine Lötlampe für heute zu organisieren, muss ich mich in Stufe 1 erstmal mit dem Heißluftföhn von Jimmy begnügen.

Um das Federauge samt Gummihülse und Bolzen aber richtig heiß zu bekommen reicht es nicht, da ein bisschen dran rum zu föhnen.

Um mir den Arm für heute nicht gleich schon beim Föhnen zu erlahmen, wird der Föhn mittels eines Spanngurtes am Rahmen fixiert und dann gestartet.

Bis es anfängt zu kokeln und ordentlich nach verschmurgeltem Gummi zu riechen.




Und dann gibt's Saures.

Und zwar "volle Ölle".

Wie beim Letzten Mal: Mutter verkehrt herum auf den Bolzen geschraubt, Buchenholzstück zwischengehalten, um die Mutter zu schonen und dann ordentlich "gib Ihm" mit dem Vorschlaghammer

Und trotzdem will sich der Bolzen kaum bewegen.

Jetzt reicht's mir.




Ich verabschiede mich vom Gedanken, Schraube und Bolzen noch mal wieder zu verwenden, pfeffere das Holzstück in die Ecke und zum ersten Mal in seinem Leben bezieht der Bolzen SO RICHTIG Prügel.

Zwanzig, Dreißig, Vierzig Schläge, weit ausgeholt und mit voller Kraft auf die Zwölf. Wer nicht hören will muss fühlen.

Und dann kommt er.

Stück für Stück schiebt sich der Bolzen aus der Federaufnahme heraus, bis ich das Bolzenende mit der Monster-Zange vom letzten Mal packen und dann Stück für Stück rausjuckeln kann.




Zwischendurch immer noch mal mit dem Föhn die ganze Nummer heiß gemacht und irgendwann hab ich ihn.

Ha! Geht halt nicht immer ohne Gewalt.




Der Bolzen ist jedenfalls schrottreif geprügelt



Und die Mutter hat's auch nicht überlegt.




Nen bisschen was hat die Federaufnahme auch mit bekommen aber das kann später weggeschliffen werden.




Das gleiche noch mal auf der anderen Seite.

Heißluftföhn montiert, Heißluftföhn an, schnell ein Kippchen rauchen und dann beginnt das ganze Spiel wieder von vorne.




Diesmal habe ich das Problem, dass ich die Mutter nach der Prügelei nicht wieder runterbekomme.

Eine willkommene Gelegenheit, endlich mal den Mutternsprenger einzusetzen, den ich damals von Joe Sixpack (Wo bist Du eigentlich?) geschenkt bekommen hatte.

Das Gerät wird auf die kaputte Mutter aufgesetzt und dann wird mit einem Schraubenschlüssel der mit einem Gewinde am Schaft versehene Dorn so weit in die Mutter hineingetrieben, bis es "Klack" macht und die Mutter runter ist.




Und so sieht sie dann aus.

Kein schönes Ende für eine Mutter, doch auch hier gilt: Wer nicht hören will muss fühlen.




Jetzt noch ein paar Hammerschläge auf den überstehenden Bolzen und Gejuckel mit der Zange und raus ist die Vorderachse:




Yeah! Damit wäre der Rahmen endgültig auseinander.

Sehr, sehr abgefahren. Auch wenn's hundert Tage bis hier gedauert hat und ich mir inzwischen vorstellen kann, das, was ich bis heute geschafft habe beim nächsten Mal in 5 Tagen zu schaffen.

Aber uns jagt ja nichts.




Der Rahmen wird hochkant an der Garagenwand, bzw. an der Gebläsewand angelehnt und ist damit erstmal verstaut.




Hier stehen sie jetzt also, die letzten groben Komponenten meines Cruisers….




Dann wollen wir mal weiter machen.

Die Achsen warten darauf, zerpflückt zu werden.




Wir beginnen mit den Blattfedern.

Die Haltemuttern hatte ich letzte Woche schon und heute wieder mehrmals mit Rostlöser eingesprüht. Nach dem Altbewährten Motto: Viel hilft viel.

Doch trotz Rostlöser ist an den Dingern mit der gro ßen Ratsche und auch mit dem Druckluftschrauber einfach nichts zu machen. Die Muttern bewegen sich keinen hundertstel Millimeter.




Mein Nachbar Zephyr schaut zufällig gerade vorbei, sieht mich werkeln und meint (sinngemäß): "Nu guck. Da tust du so: Da hinten liegt doch noch son Zölling Rohr, das nehm wir als Verlängerung"…




und zaubert einen ca. 80 cm langes verzinktes Stahlrohr hervor. Das wird auf das Werkzeug (wie heißt das Ding im Photo oben?), auf dem die Nuss sitzt, aufgeschoben und dann gibt's Kazalla!

Knack! Erste Mutter gelöst.
Knack! Zweite Mutter gelöst
Knack… usw., bis dann alle acht Muttern der Vorderachsen-Blattfedern so weit gelöst sind,




dass ich den Rest fix mit dem Schlagschrauber erledigen kann.




Und Zack! Ist die erste Feder runter und Zack! die Zweite.




Alles Wunderbar.


Fortsetzung folgt an Mogelpackung-Tag 101,5

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13 Kommentare / Ratschläge

Anonymous CptBlaubaer hat gesagt...

Nu isses passiert! Alles Teile einzeln! (naja im groben)
Ich hoffe den senkrecht stehenden Rahmen hast du gesichert!!!!!!
Damit der nich mal jemanden tot haut!

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

... gar furchtbar ist des Schraubers Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft! ...

Gilt auch für die Entfernung der Bolzen. Volleisenstange in den Zwischenraum von Feder und Rahmen gesteckt und nach unten drücken, bis der Bolzen sozusagen "entlastet" ist. Funzt meistens etwas besser.

Sonnige Grüße aus Portugal,

Stefan

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Hi Tsu,

da blutet einem ja richtig das Herz, den BJ so richtig nackig zu sehen.....

Deine Anleitung hier macht ja richtig Mut, das auch selbst mal zu versuchen, wenn es denn mal nötig ist an meinem BJ, allerdings verfüge ich leider nicht über eine solche tolle Halle, muss also immer alles bei uns vorm Carport basteln.
Aber egal, Deine Webseite könnte man ja schon fast als BJ-Wiki für Nicht-Experten bezeichnen.

Klasse!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Sonnige Grüße aus Teneriffa

Michael

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Hallo,
um die Lebensdauer deines Föns zu verlängern ein kleiner Tipp: nach Gebrauch auf "kalt" stellen und in abkühlen lassen.
Ist hoffentlich neu für Dich.
Grüße
tommi

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Anonymous Tsuppari hat gesagt...

grüezi mitenand!

@blaubär: Rahmen wird durch die Dachschräge gesichert. der kann sich nicht mehr als 5 cm bewegen.

hab auch ehrlich gesagt keine lust, den auf den kopp zu bekommen. ;-=

@stefan: die variante mit der volleisenstange probiere ich beim nächsten Projekt. ;-)

@michael: freut mich, dass ich den mut, den ich hier gemacht bekomme weitergeben kann. Kreislauf: Ihr macht mir Mut - ich mach Euch mut. So soll das sein. Und das mit dem "WIKI" ist natürlich ein Hammer-Kompliment. Wenn Du das so siehst scheint meine Vision ja tatsächlich aufzugehen... Ich bleib dran!

@tommi: das ist definitiv neu für mich. aber logisch. werd's beim nächsten mal berücksichtigen. glaube allerdings, dass es bei diesem föhn hier so eine taste gar nicht gab...

liebe grüße an alle aus dem schönen montreux

tsu

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Das Werkzeug heißt "Knebel" und du hast es völlig richtig eingesetzt.

Nicht so wie ich als "Gelernter" nen alten Auspuff auf die Knarre....

Weiter so! Und herzlichen Glückwunsch zur vollständigen Zerlegung.

Gruß
CoupéKai

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Hallo.
Das mit dem Erwärmen mit dem Fön kann nicht Funktionieren, da alle Teile gleichmäßig erwärmt werden, also auch der Bolzen.
Sinvoller ist halt ein Brenner, weil Du dann die Hülse erhitzt und der Bolzen nicht viel davon mitkriegt.
Gruß
Gerhart

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Anonymous Alex hat gesagt...

Hi Tsu,

Das Problem mit den "vergammelt verrosteten Muttern" (wie du bei den Blattfedern), hatten mein Vater und ich am Samstag Morgen beim lösen der Getriebeschrauben vom Corsa meiner Schwester auch.
Da mein Dad die Problemlösung von mir erwartet (er kennt weis zwar die Lösung des Problems, will aber das ich selbst mein Hirn benutze), hab ich mir Geschwind unseren Gasbrenner gechnappt und die Schrauben ordentlich angebrutzelt.
Siehe da, dannach haben sie sich drehen gelassen wie Butter (naja fast).
Vorteil liegt eben darin, das man eigentlich nichts damit kaputt machen kann.
Mit der "Rohrverlängerungsmethode in seltenen Fällen(!) schön.
Gemeint ist, das wenn die Mutter oder die Schraube schon sehr stark an das Gewinde "drangerostet" ist, man sich mit zu viel Krafteinsatz (ober bei schwachen gewinden) den Schraubkopf, bzw. die Gewindestange mit abreisen kann. (hab ma gesehen wie das nem Kzf Lehrling passiert ist).
Oft passiert sowas wohl nicht, aber wie heists doch so schön "99 mal gehts gut, beim 100 mal vielleicht nichtmehr"
Ich würde dir empfehlen erst die Variante mit dem Gasbrenner zu versuchen (Gibt da auch so flaschen, kosten 3 - 5€ im Baumarkt) und dann evtl. noch mit der "Rohrverlängerung".
Noch ein kleiner Tipp:
Wenn du die Schrauben wieder reindrehst, besorg dir Kupferpaste und schmier hauchdünn die Gewinde damit ein, somit hast du einen "langzeit rostschutz", hat bis jetzt bei mir immer wunderbar geklappt.
Kupferpaste bekommste beim Polo oder Louis (sind Motorradläden) in der 100 gramm Tube für 1,95 oder so.
Würde dir welche kostenlos zu schicken (mein Onkel is schlosser, deshlab hab ich davon mehr als genug), jeodch würds mit den Versandkosten aufs selbe rauskommen.

Mein Vater hat sich dein Projekt übrigenbs auch mal angeschaut, "Dafür das er nicht mitm Schraubenzieher in der Hand aufgewachsen ist, macht sich der Herr nichtmal schlecht"

Aus der Pfalt grüßen
Alex und Dad

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Anonymous Marc hat gesagt...

Hallo Tsu,

hab gestern mal einen Tag Urlaub eingelegt um endlich die Gummies rauszubekommen.

hier mal zwei Photos:
http://img84.imageshack.us/img84/4069/texas1001484he6.jpg
http://img84.imageshack.us/img84/1646/texas1001488py8.jpg
Den Feuerlöscher nicht vergessen ;)
Mehr gibts wie üblich im Buschtaxiforum.

Was soll ich sagen? Es ging! Juhu! Der Brenner ist ein Hartlotgerät aus dem Baumarkt. Kann man an die grauen Gasflaschen anschließen. Taugt auch um turbomäßig den Grill anwerfen...

Dir viel Spaß beim Restaurieren, wenn ich richtig sehe, gehts damit nun richtig los!

Viele Grüße,
Marc

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Anonymous Daniel hat gesagt...

Der Tipp mit Loius für die Kupferpaste hätte auch von mir kommen können.

Auch sonst kann man da (im Gegensatz zu typischen Autoshops) recht günstig Schraubersachen kaufen.

Dort hole ich mir z.B. immer den Bremsenreiniger in der Grösse "Familienpackung" für kleines Geld.

Bei den Motoradfahrern gibt es halt doch noch mehr echte Schrauber und keine Autoradio-Einbauer ;-)

Viele Grüße und viel Erfolg mit dem BJ

Daniel

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Hallo,
kannst Du bei deinem Fön nicht die Temperatur regeln? Also einfach zum abkühlen auf "kalt" stellen?
Grüße
Thomas

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Anonymous Klaus neu hier hat gesagt...

warum so ein spielzeugschlagschrauber mit deinen kompressor und einem richtigen großen kannste die u bugel schrauben öffnen. stichwort losbrechmoment

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Der ist doch gar net so klein, der Tsuppari hat einfach nur riesige Pranken^^

Der Bü

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