Montag, 17. Dezember 2007

Tag 130: Bremszange in glutrot

<< rückwärts   Schnellnavigation   vorwärts >>



Einen wunderschönen Guten Tag allerseits. Leider haben wir (dank den lieben Kollegen von der Telekom) zu Hause immer noch kein Internet, so dass sich das Einstellen immer noch etwas verzögert.

Aber das bedeutet nicht, dass die Arbeiten zu ihrem "normalen" Rhythmus und zum eigentlichen Thema zurückgekehrt sind.

Auch wenn das nachfolgende Bild wohl eher auf Küchenmontage, Suppe kochen oder Plätzchen backen hinzuweisen scheint.




Doch hier backt was ganz anderes…

Gemäß meiner naiven Erwartung hatte ich mich insgeheim schon auf Seele baumeln lassen oder ein bisschen pille palle Schweißpunkte an der Batteriehalterung plan schleifen und die Halterung lackieren, eingestellt. Aber der doch größere Anteil an "gemeinen Kerlen" unter Euch wollte mir trotz allen Wehklagens wohl dennoch keine Ruhe gönnen, sodass diese Woche tatsächlich kein Weg am komplexeren Thema "Bremszangenüberholung" vorbei führte.

Und dazu wurde im Vorfeld ein kleiner Materialbelastungstest durchgeführt.

Die Fragestellung war, ob ich den Bremszangenlack über die bereits vor Wochen aufgebrachte Füllung drüberduschen können würde und ob der Füller wohl entsprechende, bei einer Bremszange durchaus auftretende Hitzepegel aushalten würde.




Da Bremsflüssigkeit bei 250 Grad Celsius zu kochen beginnt bin ich davon ausgegangen, dass es ausreicht, wenn der Füller nach einer Stunde bei 260 Grade Celsius im Ofen keine Blasen wirft, nicht porös wird und sich auch sonst an seinem Verhalten nichts ändert.

Und so erfüllte am Freitagmorgen ein nicht gerade angenehmer aber auch nicht all zu penetranter Geruch unsere vorweihnachtliche Wohnung…




Das Teil, das ich für den Belastungstest auserkoren hatte, hat den Test unbeschadet überstanden. Und auch der Lack wies keine merklichen Spuren auf. Erst beim kratztest mit einem Messer konnte ich der gefüllerten Oberfläche sichtbaren Schaden zuführen.




Zunächst dachte ich, dass das an der Brat-Aktion lag. Beim Test an einem anderen gefüllerten Teil habe ich später dann fest gestellt, dass sich das "Kratzverhalten" durch die Hitzebelastung im Ofen wenn nur minimalst verändert hat.




Das bedeutet: Die bereits gefüllerten Zangenhälften müssen NICHT nochmal gesandstrahlt werden. Es kann also ohne große Umschweife los gelegt werden.




Also werden alles sieben Sachen gepackt, lange Unterwäsche, mehrere Schichen T-Shirts, dicke Socken und so weiter angezogen.

Und auch das am Donnerstag angekommene Päckchen wird mit eingepackt.




Darin enthalten ist der von Michael letzte Woche "angedrohte" Druckluftwerkzeugöler über den ich mich tierisch gefreut habe. Muss mal schaun, was ich noch an Zwischenstücken brauche und dann werd ich ihn demnächst bei den Arbeiten an der Batteriehalterung ausgiebig mitbenutzen.

Vielen Dank, für dieses äußerst praktische Vorweihnachtsgeschenk.




Bremszangen

Jetzt soll es aber, wie von der Mehrheit gefordert, erstmal mit den Bremszangen losgehen. Während die eine ja schon lange gesandstrahlt und gefüllert wurde, befindet sich die andere noch im "Originalzustand".

Nur die Bremskolben sind schon raus.




So geht's heute zu allererst damit in den Teilewascher.




Derweil positioniere ich die bereits gefüllerten Zangenhälften in sicherem Abstand vor dem Heizlüfter, um sie für's Lackieren von eiskalt auf handwarm hochzuentfrosten.




Auch dem Lack wird eine kleine Temperaturbehandlung widerfahren. Den Tipp hatte mir mein Lackiernachbar Daniel noch mit auf den Weg gegeben.




Auf der Werkbank wird alles zum Anmischen, Pistolenreinigen etc. bereitgestellt.






Nach einem ausgiebigen Beratungstelefonat mit dem Korrosionsschutz-Depot habe ich mich für einen Lack namens "Brantho-Korrux" von einer Hamburger Lackfirma entschieden. Der ist laut Angaben meines Gesprächspartners sehr widerstandsfähig im Bezug auf Korrosionsschutz, Beanspruchbarkeit und hohen Temperaturen (und hoffentlich auch Temperaturschwankungen).

Außerdem lässt sich das Zeug auch bei Temperaturen bis Minus 20 Grad verarbeiten. Ganz so kalt ist es zwar noch nicht, aber trotzdem gut zu wissen.




Die Bremszangenhälften bekommen in ihrer Aufheizposition Gesellschaft von der Füllerpistole.




Minus zwanzig Grad hin oder her. Handwarme Temperaturen können sicherlich auch beim Brantho-Korrux nix schaden.




Kleiner Szenenwechsel.

Um die Bremskkolbenführungen vernünftig abdichten zu können, muss ich auch diese Zange auseinander nehmen. Vier Schrauben raus. Erledigt.




Und den Schrauben sieht man, wie mein Laien-Auge mir sagt, ordentliche Temperaturschwankungen an. Oder?




In anbetracht der Tatsache, dass ich mir bei der anderen Bremszange die Klebebandschicht über den abgeklebten Führungen teilweise porös oder auch durchgestrahlt hatte, gehe ich bei der zweiten Zange nun um Einiges sorgfältiger vor.




Zunächst schneide ich ein Stück Küchenrollen-, bzw. Klarsichtfolienkarton zurecht und wickle so viel Gaffa-Tape drumrum, dass das kleine Rollenstück genau den Durchmesser vom Innendurchmesser der Kolbenführungen hat.






Um an den Karton der Küchenrolle ranzukommen wird erstmal das ganze Ding abgerollt und das Papier auf der Klarsichtfolienrolle aufgerollt.




Da meine Kombizange und auch der Saitenschneider noch in der Wohnung liegen muss ich mir zum Abtrennen von Drahtstücken anderweitig helfen. Mit großem Schraubendreher. Hammer und Amboss.




Aus den Drahtstücken fertige ich kleine "Sprengringe" im Durchmesser der Kolben.




Dann schneide ich Folienstücke zurecht und stopfe die Folie mit den Ringen in die Kolbenführung. Die Ringe schiebe ich bis auf den Grund der Kolbenführung. Er hält die Folie dort in Position und sorgt dafür, dass die Folie nicht in Trichter-, sondern in quasi Kolbenform in den Führungen verläuft.




Hab leider vergessen von den Zwischenschritten Photos zu machen. Dann wäre es sicherlich deutlicher geworden.

In die Folienkolbentrichter habe ich dann die umklebten Rollenstücke reingedrückt, Folien, Klebeband und Einmalhandschuhreste in den verbleibenden Freiraum gestopft, eine Lage Gaffa-Tape drüber, das ganze mit nem Kabelbinder ordentlich fixiert und den Überstand untendrunter abgeschnitten.




Auf jeden Fall so, dass es diesmal hundertprozentig mehrschichtig dicht ist und ich nach dem Lackieren und Entfernen der Schutzschicht keine großen Reinigungsarbeiten mehr habe.




so langsam wird dann auch der Lackierraum vorbereitet. Alle rumliegenden Teile werden beiseite geräumt, sodass ich auf der Arbeitsplatte Platz für die Bremszangenhälften habe und nix nebenstehendes mit dem Bremszangenlack überdusche.




Dann werden die Zangenhälften (nachdem ich sie vorher mit Druckluft entstaubt habe) noch mit dem endlich beschafften Silikonentferner entfettet. Und das funktioniert mit Silikonentferner tatsächlich um einiges besser als mit Bremsenreiniger oder Verdünnung!




Die Zangenhälften bringe ich so in Position, dass ich sie von jeder Seite einmal lackieren kann und nach und nach vorne "rolle", sodass sie am Ende auf den Holzstücken stehen und dort trocknen können.




Dann kann's auch schon losgehen. Der Lack hat einen anderen Verschluss, als ich ihn von Lack oder anderen Dosen kenne und es dauert erst einmal bis ich das System (und die Beschreibung) verstanden habe und das Ding aufbekomme.




Mittlerweile leistet auch der Farbbecher der Pistole Gesellschaft auf der Heizung.




Es geht los. Und spätestens jetzt könnte ein kleines Raunen durch die Landcruiser-Originalrestaurationsfraktion gehen. Roter Lack für die Bremszangen???? Des is nich Orichinoool!!! Buuh!!!

Die Bremszangen sind originalerweise schwarz wie auch die Achsen, Fahrwerk etc. Ich weiss nicht woher ich es hab, aber für mich müssen Bremszangen irgendwie rot sein und sich vor allem als Farbtupfer vom Rest des Fahrgestells abheben.

Und so ist auch gleich zum eigentlichen Beginn der Restaurierung klar, dass kleinere künstlerische Freiheiten im Rahmen dieser Restauration erlaubt sein werden, wobei ich darauf achten werde, dass es nicht in Kitsch ausarten wird! Versprochen! Und wer rote Bremszangen als Kitsch betrachtet, den kann ich trösten: Die Dinger wird man später gar nicht mehr wirklich sehen.

Der Lack muss im Verhältnis 5:1 mit Verdünner verdünnt werden.




Zum Anwärmen der Mischung stelle ich den Becher mit der Farbe in einen Becher mit auf dem Herd aufgewärmten Wasser. Auch ein Tipp von Daniel.




Die Mischung kommt in den Fließbecher und es kann losgehen.




Und hier kommt auch schon das Ergebnis:

(Nicht orischinooole) Bremszangen in Weihnachtsfarbe!










Herrlich! auch wenn ich nachträglich festgestellt habe, dass ich hier an einigen Stellen nochmal drüber duschen muss!




Und weil's grad so schön ist und noch so viel Farbe im Becher ist, wird die Kabinentür schnell von weiß auf rot umlackiert. Mal schauen, wie viele Farbtöne die in Zukunft noch annehmen wird…




Dass die Abluftanlage funktioniert ist, denke ich, jetzt auch bewiesen:




Nach der Lackiersession wird die Pistole ausgiebigst gereinigt und dann weggeschlossen.




Bevor es nach Hause ins Bett geht, muss noch die letzte Bremszangenhälfte abgedichtet werden, damit wir beim nächsten Mal gleich mit dem Strahlen beginnen können.




Die abgedichteten Stellen werden zum Schluss noch doch einen weiteren Kabelbinder gesichert, dass sie sich beim Strahlen wirklich auf keinen Fall verselbständigen können.




Die Zangenhälften werden anschließend wieder miteinander verschraubt. So erspare ich mir ein Abkleben und späteres Reinigen der Auflageflächen und verhindere mögliche Schäden durch Strahlsand.




Lediglich die Bremsleitungsflüssigkeits Ein- und Abgänge müssen nächste Woche noch schnell geschlossen werden.




Und dann kann es auch mit dem Strahlen sofort losgehen.




Für heute ist erstmal Feierabend. Ca. 1,5 Stunden nach dem Lackieren hab ich den Heizstrahler nochmal für ne halbe Stunde in den Lackierraum gestellt, um den Trocknungsprozess ein kleines Stückchen anzuschieben.




Also ich bin hochzufrieden.




…und gespannt, wie es unter den abgeklebten Stellen aussieht…




Und Bremszangen müssen rot sein!




Porsche-rot!




Schnell aufräumen und ab in Bett!




Und wo ich so langsam aber sicher in Weihnachtsstimmung komme und ihr vielleicht noch überlegt, was Ihr Eurer Frau, Freundin, Geliebten, Tochter Cousine, Mutter, Eurem Vater, Sohn, Cousin, Geliebtem, Freund, Kumpel, Erzfeind etc. schenken sollt hab ich hier noch einen kleinen Tipp:

Im Landcruiser Experiment Fashion-Store gibt's in einigen Größen noch wenige Shirts. Wenn ihr heute oder morgen bestellt klappt's mit Sicherheit bis Freitag oder spätestens Samstag mit dem Zuschicken! Zu jedem bestellten Shirt gibt's obendrauf noch ne kleine Weihnachts-Überraschung!

Zum Shop geht's hier! (Auf "hier" klicken! ;-) )

Beste vorweihnachtliche Grüße sendet

Tsuppari!

<< rückwärts   Schnellnavigation   vorwärts >>


_________________________________________________________



13 Kommentare / Ratschläge

Anonymous phil hat gesagt...

Echt super, dass die Grundierung hält. Was sagt eigentlich die Frau des Hauses zu solchen "Experimenten" in der Küche?

Der Link ganz am Ende des Beitrags klappt leider nich. Der korrekte Link muss http://www.landcruiser-experiment.de/catalog/ sein.

Frohe Weihnachtszeit!
www.killerwal.com

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Tsuppari hat gesagt...

die frau des hauses freut sich, dass ich überhaupt mal da bin!!! aber so toll fand sie die testaktion trotzdem nicht... ;-)

danke für die linkinfo! ich versuch's gleich mal anzupassen. sitze allerdings schon wieder im zug mit schwankender umts-verbindung...

beste weihnachtsgrüße zurück!

tsu

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous jüla hat gesagt...

Dolle Sache, was Du da treibst!
Möchte aber rechtzeitig Dir und Deiner Lieben die besten Wunsche zum Fest übermitteln und bitte Dich: ruf mich doch mal an. Sollte ich nicht da sein, hinterlass Deine Nr`n auf dem AB
Liebe Grüsse von Jüla

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Arno hat gesagt...

Tach Tsu,

ich hoffe, dass Ihr zu Weihnachten keine Gans in den Ofen schieben wollt: Die würde vermutlich eine "grundierte Note im Abgang" haben.

Gesünder ist, sich für solche Leistungstests einen alten eBay-Grill in die Werkstatt zu stellen ;-)

Nur das Beste zum Weihnachtsfest und mögen die Glocken süßer nie klingen,

Arno
München, kalt

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Anonymous hat gesagt...

Brantho Korrux, ich sags ja! Auch gut für deinen Rahmen. Aber besser nicht in rot.....

Oder...warum eigentlich nicht ?

Wärme beschleunigt bei dieser Farbe allerdings nicht den Trocknungsprozeß.
Auch von mir die besten Wünsche zum Fest!

Gruß Steffen

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Tobulus hat gesagt...

Hi,

Rote Farbe macht sich gut. Ich persönlich würde die Achsen komplett in Rot machen, das sieht extrem gut aus und vereinfacht die Wartung auch etwas.

Erlaubt ist was gefällt solang es technisch Sinn macht.

In diesem Sinne: Original ist meistens die sinnvollste Lösung und deswegen einzuhalten, aber kein Gesetz.

Gruß

Gruß

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Schorschi hat gesagt...

Verbunden mit allen Wünschen zum kommenden Weihnachtsfest eine kleine Frage: kommt in die Farbe kein Härter rein? Es ist nur die Rede von Verdünner... Ein tolles (rotes) Weihnachtsfest an alle aus dem Ruhrgebiet! Gereon

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Marc hat gesagt...

Servus Tsu,

blingbling! Netter Farbton, muss dich aber enttäuschen, der wird nicht lange so bleiben. Bei mir war es eine Tour nach Saverne, dann war es um den schönen Schein geschehen ;)

Viele Grüße,
Colt

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous motorang hat gesagt...

Hallo Tsu,
so ein alter Elektroherd in der Werkstatt (wie oben von Arno empfohlen) kann auch noch viele andere Sachen, wie beispielswiese Lack und Werkzeug anwärmen (thermostatgesteuert im Backrohr auf 50 - 250 Grad) oder mal einen Kaffee kochen :-)

Schöne Grüße
Andreas, der motorang
der neulich das Unterbodenwachse so kompressorgängig bekommen hat ...

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Anonymous hat gesagt...

Moin,

also so inkognito (M...) musst du mich auch nicht machen. Wenn ich dir mit dem Öler ein eine Freude gemacht habe ist das doch mal was, der ist beim Selbstbau eines Kompressors vor über 15 Jahren übergeblieben, wurde mir von Bosch "angedreht", ich wollte mit dem "Kompi" nur "airbrushen", bis mir dann ein "Lacker" sagte: "Klar, hau dir das Öl in den Lackgriffel, gibt schöne Blasen." Also blieb das Ding hier liegen.

Michael,

wenn mal was mit Gewinden oder Schrauben ist:
www.gewinde-normen.de

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Anonymous hat gesagt...

Moin,

den "Saitenschneider" würde ich eher Seitenschneider nennen, da die Schneide im Gegensatz zum Vornschneider oder Mittenschneider seitlich angeordnet ist. Aber Saiten schneidet der auch gut ;-)

http://de.wikipedia.org/wiki/Seitenschneider

Viele Grüße, Andi

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Nowi hat gesagt...

Hallo!
Wurd zwar schon so in etwa geschrieben,aber laß bloß den Öler weg!! Lieber in Schalgschrauer und CO
en Tropfen Oel reinmachen! Sonst versaust du dir beim Lacken und so nur die Oberflächen! Könnte dir en "Wasserabscheider" für den Kompressor zukommen lassen,der ist sinnvoller!
Ansonsten noch frohes Fest und immer am Ball bleiben!

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Anonymous hat gesagt...

ich denke, da brauchen wir uns keine sorge zu machen. tsu packt den öler sicherlich an einen separaten ausgang. dem lackierabgang ist doch ohnehin der große öl und wasserabscheider von sata vorgeschaltet!!!

<$BlogCommentDateTime $>

 

Kommentar posten

<< Home

Zum Seitenanfang / Das Experiment jetzt weiterempfehlen!

Flattr this

___________________________