Montag, 19. Mai 2008

Tag 151: Bremszangen fertig?

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Einen wunderschönen Guten Montagmorgen allerseits.

Gar nicht so leicht, nach dem kleinen "Softporno-Exkurs" von voriger Woche wieder ins Thema zu kommen und zu den sachlichen Dingen zurückzukehren.

Aber es hilft ja nix. Hier geht es jetzt mit unverminderter Härte weiter. Einfach so.

Für die Entrostung und Reinigung der außen liegenden Innenseiten der Bremskolben fehlte mir beim letzten Mal ein entsprechender Aufsatz für den Stabschleifer.




Nachdem ich im Laufe der Woche vergessen hatte, mir so ein Ding zu besorgen, und aber sicher war, so was schon mal in meiner Werkstatt gesehen zu haben, habe ich dann doch nochmal ein bisschen genauer nachgeschaut, und diesen Bürstenaufsatz zu Tage gefördert.




Schnell noch ein paar Alu-Backen für die Schraubzwinge zum Einspannen der Kolben.




Und ab dafür.




Bling!

Astrein. Sauber. Blank.




Um bei den kleineren Kolben mit der Drahtbürste reinzukommen muss ich ein paar Drähte mit dem Seitenschneider abknipsen.




Dann passt's auch hier perfekt.




Schnell noch alle mit Druckluft durchgeblasen...




...und die Dinger sehen aus wie neu.

Zumindest die großen.




Bei den Kleinen befinden sich nach der finalen Reinigung dann doch noch einige kleinere Rostlöcher auf den Kolbenflächen.

Nach eingehender Analyse der Größe und Position der Löcher entscheide ich jedoch, die Dinger trotzdem zu verbauen.

Wichtig ist ja, dass der Kolben an der Lippe in der Kolbenführung abdichtet. Dadurch, dass die Löcher nie breiter, eher um ca. 50% kleiner sind, als die Dichtlippe breit ist, wird nie der Zustand eintreten können, dass der Pressdruck von unterhalb der Dichtlippe durch ein Loch bis über die Dichtlippe entweichen kann. Also müsste der Druck, der auf die Kolben gegeben wird, genau so sein, wie bei absolut glatten Kolben.

Oder vertu ich mich da?

Ich weiss, dass die Bremsen eines der heikelsten Themen am Wagen sind, aber nach gesundem Menschenverstand und unter logischen Gesichtspunkten, müsste das doch so machbar sein, oder???




Also wollen wir mal die Bremszangen fertig zum Einbau der Kolben vorbereiten.

Bevor die finale Reinigung der Kolbenführungen vorgenommen wird, will ich erstmal den Entlüftungsnippel entfernen, den ich vor dem Sandstrahlen und Lackieren eingeschraubt hatte.

Das gestaltet sich allerdings unerwartet schwierig.




Der will einfach nicht raus und binnen Sekunden habe ich das Gewinde trotz Bremsleitungsschlüssel vernichtet und rundgemacht.




Dadurch, dass der Nippel so blöd zwischen zwei Schraubenköpfen liegt, komme ich mit keinem Werkzeug und vor allem auch mit den Zangen nicht so an das ausgelutschte Gewinde ran, um es ordentlich zu packen und den Nippel rauszudrehen.




Da hilft nur eins.

Aus meinem Schraubensortiment suche ich eine große Mutter, die ich über das Ende des Bremsleitungsnippels schiebe.




Jetzt wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Die VarioStar wird angeworfen...




und Bzzzzzzzzzt... Bzzzzzzt... Ist die Mutter (lieblos) angebraten.

Ein kleiner Ruck mit dem Schraubenschlüssel, und der Nippel ist raus.




Nach einer ausgiebigen Reinigungssession der Bremskolben und Bremskolbenführungen, werden alle für die Endmontage benötigten Teile fein auf dem Tisch vor der Werkstatt hindrappiert.




Die Kolbenführungen sehen nach der Reinigung durchweg perfekt aus.

Die Montage kann beginnen.




Zunächst schnappe ich mir die Dichtlippen, schmiere sie mit Bremsenmontagepaste ein,




und setze sie in die dafür vorgesehenen Aussparungen in der Kolbenführung ein.




Als nächstes schnappe ich mir einen der großen Kolben, schmiere ihn und die Kolbenführung mit der Montagepaste ein, und drücke den Kolben vorsichtig bis zum Anschlag in die Führung.

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Konnte leider wegen der schmierigen Finger keine Bilder von den gerade beschriebenen und den kommenden Arbeitsschritten machen.




Nachdem der Kolben sitzt, schnappe ich mir eine zugehörige Staubmanschette plus zugehörigem Fixierring.

Mit einem kleinen bisschen Gefummel (hörte sich in den Beschreibungen, die ich im Vorfeld gelesen habe immer schwieriger an, als es jetzt tatsächlich war), sitzt auch die Staubmanschette.




Das ist Arbeit, die Spaß macht.

Ratzefatze sitzen die ersten vier Kolben samt Manschetten an ihrem Platz.




Und wenig später sitzen auch die anderen vier.

Glaub ich das? Haben wir tatsächlich so eben die erste richtige Komponente fertig restauriert?????




Naja. Fast.

Nicht ganz. Denn bei der ganzen Reinigerei und Montiererei war ich zwischendurch etwas unachtsam, sodass der Lack an einigen Stellen ein paar Macken bekommen hat.

Zum Beispiel hier:




Hier:




Hier, und an einigen anderen Stellen auch.




Bevor ich mich jetzt aber groß ans Abkleben und Lack anmischen mache, gehe ich an den vermackten Stellen einfach mit dem Pinsel bei und bessere die Stellen vorsichtig aus.




Jetzt müssen die Zangen nur noch ein Weilchen trocknen, und dann können wir sie als fertig deklarieren und für die Achsmontage beiseite legen.





A propos Achsmontage. Abgesehen vom Vorderachsdifferenzial und den Achskörpern sind so gut wie alle Achsteile schon ansatzweise fertig für die Montage vorbereitet.

So gut wie alle, denn jetzt fallen mir noch weitere Teile ins Auge, deren Bearbeitung ich wegen der komplexen Abklebearbeiten für's Sandstrahlen noch auf die lange Bank geschoben hatte.

Es handelt sich dabei um die Komponenten der "Lenkgehäuse" (Birfieldgehäuse???) der Vorderachse.

Die hatte ich an Tag 143 bereits hervorgekramt und damals erfolglos überlegt, wie ich die so abkleben könnte, dass die Auflageflächen nicht zu Schaden kommen.

Hier werden bei der Montage Distanzscheiben von bis zu 0.2 mm eingesetzt und ich denke, wenn ich von den Flächen auch nur 0.1 mm durchs Strahlen weg nehme, kann mir das die Passung am Ende ganz schön durcheinanderhauen...



Aber ich habe eine Idee.

Mit dem Achsüberholsatz habe ich einen Satz dieser Distanzscheiben bekommen. Siehe links unten im Bild.




Da ich zusehen möchte, dass ich die alten wieder verwende, um potenzielle Einstellschwierigkeiten zu vermeiden, kann ich die neuen Scheiben anderweitig einsetzen:




Ringsum um die Scheibe klebe ich Ducttapestreifen.




Dann schiebe ich die abgeklebte Scheibe auf das Bauteil und schraube die Scheibe mit Schrauben fest:




Die Klebestreifen muss ich jetzt nur noch umschlagen und das Ding ist für die Sandstrahlerei eingepackt.




Mal schaun, wie wir das bei dem dicken Käfig machen...




Erstmal die Dichtflächen reinigen.

Der Dichtungsschaber ist Gold wert! Eine absolute Kaufempfehlung. Der Unterschied in den Arbeitsergebnissen zwischen einem Beitel und dem Schaber ist wie Tag und Nacht.




Auch beim Käfig wende ich die eben beschriebene Verpackungsmethode.

Allerdings geht das Gewinde der Stehbolzen nicht bis ganz nach unten durch, sodass ich die Distanzscheibe nicht wie vorhin einfach mit Muttern festschrauben kann.




Zum Glück habe ich mittlerweile aber genug Zeug rumliegen, mit dem man A-Team- oder Mc Gyver mäßig kreativ werden kann.

Von einem langen Stück Kabelrohr säge ich acht kurze Stücke zurecht.




Die schiebe ich auf die Stehbolzen...




...und fixiere die Distanzscheibe mit oben draufgeschraubten Muttern.




Umschlagen, zukleben, die große Öffnung zukleben.

Und fertig ist das Ganze für die Strahlkabine.




Na Wunderbar.




Schade nur, dass ich das Ganze auch noch für die andere Seite machen muss.

Und die schlummert noch in ihrem Karton.




Also raus mit dem ganzen Zeug. Erstmal den ganzen Schrott wegsortieren...




...und durch Neuteile ersetzen.




Och. Zum Abkleben hab ich heute keine Lust mehr.

Lieber spiele ich ein bisschen mit der Bördelmaschine und versuche, mal ein Stück Bremsleitung nachzubauen.




Was auch einigermaßen gelingt...

Optisch zumindest.

Ob's passt steht auf einem anderen Blatt. Glaube, die neue Leitung ist rund 4 mm kürzer als die alte. Und ich glaub, Bremsleitungen mögen keine Toleranzen...

Aber wir haben ja noch viel Zeit zum Üben...




Zumindest können wir heute mal wieder einen Karton entsorgen.

Es ist, glaube ich, der dritte.

Will heißen: Es geht tatsächlich voran!




Was die Einstellung des Diffs angeht bin ich immer noch nicht weiter gekommen. Werde mir jetzt mal einige Distanzscheiben bestellen und schauen, ob die Einstellung besser wird, wenn ich das Kegelrad etwas weiter nach vorne schiebe. Das ist mit die letzte Möglichkeit, die mir einfällt.

Wenn alle Stricke reißen muss ich das (perfekt eingestellte) Diff der Hinterachse nochmal aufmachen und die Tellerräder tauschen. Hatte nämlich die Tellerräder von Vorder- und Hinterachse bei der Montage des Hinterachsendifferenzials verwechselt... Vielleicht kriegen wir es ja damit behoben....

Oh Mann.

Arbeit zieht Arbeit nach sich.

Aber ich bin motiviert wie sonstwas.

Schade, dass ich so wenig Zeit zum Schrauben habe.

Aber da geht es wohl den Menschen wie den Leuten....

Schöne Woche!

Tsu

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10 Kommentare / Ratschläge

Anonymous Anonymous hat gesagt...

Ooops - Kegelradpaare gehören zusammen Tsu, die laufen sich nämlich aufeinander ein. Das ist der Grund, weswegen man nie nur eines der Räder erneuert oder vertauscht.... Wenn du Moppedfahrer bist kennst du das vom Kettensatz, der wird auch immer mitsamt beiden Kettenrädern erneuert (aus dem selben Grund).
Nix für ungut, du kannst ja nicht alles wissen. Aber mach dich schon mal drauf gefasst, das Hinterachsdiff wieder auf zu machen.
Frag mich jetzt aber bitte nciht, warum dann das Tragbild hinten so super aussieht - das kann ich dir auch nicht erklären.
Gruß
Carsten

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Zur Bremse: Du sprichst weiter oben von logischen Gesichtspunkten bei der Montage . Logische gesichtspunkte wären, zumindets meiner Logik nach, dass man sicherheitsrelevante Teile, bei denen man nur die geringsten Zweifel hat, austauscht. Gerade, wenn man sowieso alles auseinaderliegen hat.
Zweitens und das ist wichtiger: Überprüfe bitte, ob du nicht falsche Bördel au den Leitungen gemacht hast. Auf den Bildern sieht es so aus. Zum googlen: Es gibt glaube ich e un f-Bördel oder so etwas. Ich habe da auch irgendeine Zeitschrift zu....Ich suche und scanne mal. Aber schau schonmal konkret, ob die gleich aussehen. Das ist für die Dichtigkeit wichtig.

Gruss Bü

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Anonymous Tsuppari hat gesagt...

Moin Bü!

Jau, die Bördel sind definitiv falsch! gut aufgepasst. da hab ich in meinem arbeitswahn wieder mal geschludert....

was die kolben angeht bin ich auch noch etwas unsicher, ob ich die nicht doch noch tauschen soll. dürfte jetzt, wo alles schön geschmiert ist, kein größeres Problem sein. Muss die Dinger lediglich bestellen...

@carsten: dann werd ich wohl das Hinterachsendiff nochmal auseinandernehmen. gut, dass man das bei der hinterachse kann, ohne die Diffglocke ausm Achskörper rauszunehmen. die hab ich nämlich schon fertig eingeschraubt mit Dichtungskleber etc...

grüße!

tsu

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Das mit der Bild Zeitung ist ja cool! Hab ich jetzt erst gelesen. Da passiert ja immer wieder was Neues bei Dir. Freu mich schon auf den Landcruiser Experiment Kalender!!!

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Moin,
da kann ich mich den Vorschreibern nur anschließen.
Das HA-Diff mußt du definitiv nochmal zerlegen, wenn du die Tellerräder vertauscht hast. Kegel- und Tellerrad werden immer als Paar gefertigt und müssen auch so montiert werden.
Und mal ehrlich, bei der Zeit und dem Geld das du hier investierst kommts doch auf die Bremskolben nun wirklich nicht an!

Gruß Steffen

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Anonymous ThinkPad hat gesagt...

Mal noch was anderes...
die Alubacken hattest du doch schon am Tag 144 :-))

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Anonymous Tsuppari hat gesagt...

@thinkpad: Ja, aber für den Schraubstock. Und der ist gerade mit dem Achsantrieb belegt.

@steffen: werde wohl mal noch drei kleine Kolben bestellen... und den hinterachsantrieb werde ich wohl tatsächlich nochmal auseinanderbauen und die tellerräder tauschen...

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Anonymous motorang hat gesagt...

Hallo Tsu,
Kolben bestellen ist nicht schlecht, dann hast Du sie liegen für den Tag, an dem die alten Kolben WIRKLICH undicht weden und zu schwitzen beginnen ...
Meine Meinung ...
Gryße!
Andreas, der motorang

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Anonymous Feniban hat gesagt...

Hallo Tsu,
zum ersten Mal muß ich einen Kommentar loswerden.
Sorry,also diese pickeligen Kolben würde ich nicht verbauen;weiiiiilll!wie meine Tochter zu sagen pflegt Du Deien Bremsbeläge nicht mehr bis zur Abfahrgrenze nutzen kannst genau dort werden sie dann undicht
Grüsse
Schrauber Stephan KFZ Fachmann und Oldie Schrauber
ansonsten alles Supergut wie Du das alles so machst.
Respekt und weiter so

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Anonymous Benjamin (Essi-DD) hat gesagt...

diese Aussage stimmt nicht ganz, denn die Kolben sind am oberen Rand gerostet---> Wenn die Beläge neu sind könnte es undicht sein, danach nicht mehr!

Ansonsten geiles Experiment, was de hier auf die Beine gestellt hast.

MFG Benjamin

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