Montag, 17. November 2008

Tag 175: Achsschenkelmassage

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Jetzt hat das Warten aber so langsam mal ein Ende. Oder?

Bevor die ganzen Teile dort, wo ich mit der Lackdusche nicht drangekommen bin, wieder anfangen zu rosten, soll heute der erste Schritt zur Montage der Vorderachse gemacht werden.

Der rechte Achsschenkel ist fällig. Mit allem was dazu gehört.

Zu Besuch sind Markus und Ike. Ike war beim Auseinanderbauen schon mit dabei. Aber das ist nur ein Grund, warum er heute auch wieder mit dabei ist. Was der andere Grund ist, und warum Markus auch mit dabei ist, verrate ich später.

Was Ihr hier seht sind keine Gespenster.

Es sind lediglich die abgedeckten fein hindrapierten Aschschenkelteile nebst dem Achskörper selbst. Abgedeckt gegen den bösen Staub, der sich während meiner Abwesenheit jede Woche aufs Neue über das ruhende Werk legt.




Enthüllen wir erstmal den Achskörper.

Mit dem hatten wir uns ja schon lange genug beschäftigt (wann war das noch? - Ich habe längst den Überblick über meine eigene Arbeitshistorie verloren), sodass ich hier jetzt nicht allzu tief auf die vergangenen Einzelschritte eingehen werde.

Nur aber mal schnell zum reinkommen:

Der Achskörper wurde gesandstrahlt, grundiert und dreifach lackiert.

Das Diff hatte ich komplett auseinander genommen, gewaschen, wieder zusammengebaut, in den Achskörper eingebaut und eingestellt (dazu einfach mal "landcruiser experiment" in der Suche bei Youtube eingeben).




Sämtliche Anbauteile, die zu den Achsschenkeln gehören wurden gesandstrahlt und dreifach lackiert. Alle (und ich meine wirklich ALLE) Schrauben wurden entrostetet, entfettet, brüniert und unrettbar vergammelte wurden durch Neue ersetzt. Bremsscheiben und sämtliche Verschleißteile wie Dichtungen, Lager, Lagerschalen, Simmeringe, Bremsschläuche, Bremsbeläge etc. wurden durch Neuteile ersetzt. Die Bremszangen wurden komplett überholt, inklusive Sandstrahlen, Lackieren, neue Bremskolben, neue Dichtringe etc.

Und da soll mal jemand fragen, womit wir uns hier so lange aufgehalten haben.

Das Ergebnis dieser pedantischen Fleißarbeit liegt hier vor uns.

Der Tisch für den rechten Achsschenkel:




Und der Tisch mit den Teilen für den linken Achsschenkel.




Im Achskörper hatte ich neben dem Diff bereits neue Lagerschalen...



...und Simmeringe eingesetzt.




Die angegammelten Achsenden hatte ich in mehreren Arbeitsschritten vom Rost befreit und weitest gehend glattpoliert.




Heute können wir endlich das tun, was ich mir unter einem reibungslosen Arbeitsablauf vorstelle.

Nämlich einfach auf den Tisch greifen und zumindest einen der beiden Achsschenkel in einem Rutsch fertig zu machen.

Wir beginnen mit der rechten Seite (auch wenn, wie sich herausstellen sollte, ich die Teile genau verkehrt herum auf die Tische sortiert hatte).





Als Leitfaden dienen uns neben Ike's Erfahrungen auf früheren Tagen die Beschreibungen aus dem Werkstatthandbuch. Insbesondere ein Explosionszeichnung.

Und diese solltet Ihr Euch für einen Moment genau ansehen, denn wir müssen leider gleich einen kleinen Zeitsprung von ca. dreißig Minuten nach vorne machen.




Dreißig Minuten später.

Hä! Was? Schon fertig?

Wie ist das denn jetzt passiert? Ham die gezaubert?

Da war doch eben noch gar nix?

Wo sind denn die Photos?




Jau. Das mit den Photos ist so eine Sache.

Und: Nein. Wir haben nicht gezaubert.

Aber wir waren so multimedial unterwegs, dass die Photokamera schlichtweg vergessen wurde.

Eigentlich hatte ich vorgehabt, die Montage des rechten Achsschenkels heute schon als dritten Landcruiser Experiment TV Schrauberworkshop zu präsentieren. Dazu hatte ich auch Markus und Ike eingeladen.

Und bis zu diesem Zeitpunkt sah es auch so aus, als würde ich den Rest des Wochenendes vor dem Schneidepult verbringen.

Aber leider war genau jetzt der Videokamera-Akku runter, wir mussten die Filmerei zwangsläufig unterbrechen und ich muss Euch heute mit diesem Teaser auf demnächst vertrösten. Dann holen wir das Ganze nochmal für die linke Seite nach.

War bis hierhin auf jeden Fall schon mal ein ganz schön interessanter Weg.

Erst die Dichtringe (Filz, Metall, Gummi). Dann die Lager einfetten und einsetzen. Dann das Aschschenkelgehäuse drauf und mit dem Lenkarm und dem entgegengesetzt unter dem Lenkarm sitzenden Teil fixieren.




Das Ganze ordentlich verschrauben (mit entsprechendem Drehmoment).




Die ganze Chose von innen ordentlich mit dem empfohlenen und mittlerweile eingetroffenen Molykote Fett einfetten...




...und da sind wir nun.




Als nächstes schnappen wir uns die Achswelle...




...und jauchen das so genannte "Birfield"-Gelenk ebenfalls mit dem Molykote Fett voll.




Vor dem Einführen der Welle prüfen wir nochmal schnell die Verzahnung am Achswellenende...




...und führen dann die Achse ganz vorsichtig ein, um ja nicht den innenliegenden Simmering zu beschädigen.




Beim Einschieben gilt es zu beachten, dass man das Gelenk nur in einer Position in das Achsschenkelgehäuse einschieben kann. Man muss das Gegenstück zu den abgeflachten Stellen finden. Wie beim Schlüsselloch sozusagen.




Dann flutscht es...




...und lässt sich dann frei hoch runter rechts links schräg etc. im Gehäuse bewegen.




Auf das Achswellenende wird dann dieses Teil hier gesetzt, von dem ich nun wirklich keine Ahnung habe, wie es heißt. Lasst es uns erstmal der Einfachheit "Achswellenmanschette" nennen (ohne jetzt lautstarke Buh-Rufe riskieren zu wollen).




Eigentlich wollte ich die darin eingepasste Messinghülse ebenfalls erneuert haben. Allerdings meine ich bei der Überprüfung bereits, dass die alte eigentlich so gut wie keine Schäden aufwies.

Diesen Verdacht hat Ike heute bestätigt, sodass wir darauf verzichten werden, den Perfektionismus in hirnrissige Sphären zu treiben, und die alte Hülse dort lassen, wo sie ist.

So habe ich auch wieder was für meinen stetig voller werdenden Ebay-Karton.




Was wir der alten Hülse allerdings zuteil werden lassen, ist ein ordentlicher Finger Lithiumfett.




Als nächstes kommt die Blende drüber.






Ein Papierdichtring (Dichtungspapier kann man, wie JüLa mir neulich gesagt hat auch am Stück kaufen, und sich Dichtungen selber schneiden. Ich glaub, dass so was auf Dauer das Portemonnaie spürbar entspannt. Also auch hier ein entsprechender Link zu Dichtungspapier bei Ebay) wird so aufgesetzt, dass diese eingestanzte Seite nach unten zeigt. Das dient der besseren Abfließmöglichkeit von Wasser.




Über den Dichtring wird diese Fixierblende gesetzt...




...die anschließend schön verschraubt wird.

Damit's auf beiden Seiten schön symmetrisch ist (ja, hier spricht wieder der Oberpedant), verwende ich abwechselnd brünierte und neue, verzinkte Schrauben.




Schnell noch festratschen und gut is.




Es geht voran.




Mal von hinten betrachtet:




Und nochmal aus einem anderen Blickwinkel.




Gar nicht so schlecht, oder?




Aber wir sind noch nicht fertig.




Einige Teile wollen noch verbaut werden.




So zum Beispiel die Lager und der neue Simmering für die Bremsscheibenhalterung (die sicherlich auch anders heißt).




Ordentlich Fett druff auf die Radlager.




Und rein damit. Flötsch.




Den Simmering in Position bringen...




...und ihm mit dem Gummihammer zu Leibe rücken.




Noch ein bisschen Feinarbeit mit dem kleinen Hämmerchen.

Wunderbar. Sitzt.




Anschließend noch nen ordentlichen Schwung Fett hinterher. Wunderbar.




Die Bremsscheibe habe ich erstmal von dem üblen Verpackungsklebezeug befreit und mit Bremsenreiniger gereinigt. Nur, um sie nachher nochmal mit einem Ölfilm zu überziehen, sodass sie mir nicht wegrostet, bis ich den Wagen in zehn, zwanzig Jahren zum ersten mal starte.




Die Scheibe wird auf die eben vorbereitete Halterung aufgesetzt.




Erstmal zwei Schrauben zur Fixierung rein. Hier auch wieder eine neue und eine schwarze.




Die Radbolzen werden in Position gebracht...



...und dann "gib ihm" mit dem Splintentreiber und dem Vorschlaghammer.




Sitzt.




Bremsscheibe samt Halterung werden auf die Achswelle geschoben.




Jetzt kommt dieses Scheibe- Mutter- Scheibe- Mutter Gedöns, das Wolli im Buschtaxi bei seinem Achsworkshop schon so trefflich beschrieben hat.

Bei Neuteilen muss man laut Ike allerdings drauf achten, welche Seite nach vorne und welche nach hinten kommt. Die etwas abgerundete Seite zeigt in Richtung Achskörper...




...und die flachere in die andere Richtung. (Was für ein Zufall).




Bevor der Ring aufgeschoben wird, wird erstmal noch das zweite (Kegel-)lager eingeschoben. Ebenfalls ordentlich eingefettet.




Jetzt kommt der Ring.






Dann die erste Mutter.




Diese muss so fest angezogen werden...




...das der Ring darunter gerade so noch hin und her geschoben werden kann.




Dann kommt der Ring mit den komischen Zähnen, von denen einer nach hinten und einer später nach vorne gebogen werden, um die beiden gegeneinander gekonterten Muttern zu fixieren.




Jetzt kommt die zweite Mutter.

Gekontert wird das Ganze erst später, wenn ich sicher bin, dass ich alles richtig gemacht habe.




Dann nochmal nen Dichtungsring.




Jetzt greifen wir uns die (neue) Freilaufnabe, nehmen sie auseinander, fetten sie innen ebenfalls ordentlich ein...




bauen sie wieder zusammen und setzen sie als krönenden Abschluss auf das Tagewerk.




Als Muttern nehmen wir nicht die mitgelieferten, sondern Edelstahl-Hutmuttern und Unterlegscheiben aus dem damals (vor gefühlt hundert Jahren) angeschleppten Schraubenkoffer.




So wird da nen Schuh draus.




Oder?




Jetzt noch den Freilaufnabendeckel einfetten...




...und aufschrauben.

Woaow!




Passend zu den Hutmuttern schraube ich pro Forma auch schon mal die neuen Radmuttern auf.

So wird da nen Schuh draus!




Wie schon angekündigt wird die Bremsscheibe nochmal mit nem Lappen eingerieben, den ich vorher ein wenig mit Korrosionsschutzspray benetzt habe, um zu verhindern, dass sie in den nächsten Jahren Flurost ansetzt.





Jetzt noch schnell die Bremszange anschrauben:




Und wenn sich das nicht sehen lassen kann, dann weiß ich auch nicht.




Mannomann ist das abgefahren!




Aus verranzt und alt mach nigelnagelneu.




So langsam fängt mir die ganze Sache an, Spaß zu machen.

Und ein bisschen Gänsehaut bekomme ich auch.

Wenn ich überlege, wie das alles hier damals begonnen hat...




Der Tisch sollte eigentlich jetzt leer sein. Aber wo gehobelt wird, fallen eben auch Späne. Die Federn der Bremszange und die neuen Bremsbeläge verschwinden erstmal noch in einem Karton. Die montiere ich, wenn ihre Benutzung in absehbare Nähe rückt.




Den Tisch räume ich allerdings schnell noch ein wenig auf.

Arbeitsvorbereitung für's nächste Mal.




Denn da wartet die linke Seite auf uns.



Die rechte würde ich am liebsten mit nach Hause nehmen und noch ein Weilchen angaffen.





Da kommt Freude auf!


Haut rein und macht was aus der neuen Woche!

Tsuppari.

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9 Kommentare / Ratschläge

Anonymous Anonymous hat gesagt...

Hi Tsu,
na bitte es wird, allerdings kann ich mir das mit den Bremsscheiben nicht ansehen, EINÖLEN!?!?..... tzz tzz, das war früher mal, heut zutage werden Bremsscheiben auf der Reibfläche mit einer dünnen schicht Grundierung überzogen (der rest ist meist gewagst) hat den vorteil das man die Scheiben nicht entfetten muß, sondern direkt verbaut werden können und beim einbremsen sich die Grundierung von selbst auflöst, also wenn Du die Scheiben eh noch mal ausbaust, würd ich die leicht grundieren (billiges zeug aus der Spraydose reich da vollkommen aus). ;-)
in diesem sinne
gruss Marcus-vm

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Sieht HAMMERGEIL aus!!!

So langsam geht es ja echt voran hier. Hätte ich ehrlich gesagt schon fast nicht mehr dran geglaubt!

weiter so.

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Yeee-Haaa! So langsam mauserst du dich vom Anfänger zum Vollprofi.
Ein wenig Hintergrundinfos zu dem "Mutter-Scheibe-Gedöns":
Es handelt sich dabei um eine sogenannte Trag-Stütz-Lagerung. Du hast ja beim Zusammenbauen bemerkt, dass die Lager teilbar sind. D.h. wenn die eine Axialkraft abstützen wollen müssen sie festgelegt werden. Diese Festlegung darf aber das Lager nicht zusammendrücken (vorspannen), da es sich sonst nicht mehr leicht drehen könnte. Man muss also die erste Mutti gerade so fest drehen, dass sich die Welle noch leicht drehen lässt, aber andererseits das Spiel minimal ist. Dann wird mit der zweiten Mutter gekontert und das Sicherungsblech umgebogen. Eigentlich müsste im Handbuch angegeben sein wieviel Axialspiel hier vorgeschrieben ist (ich tippe mal irgendwas um die 0,3mm rum)

Gruß
Carsten

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Anonymous Rainer hat gesagt...

Hat zwar nix mit den Achsen zu tun, aber vielleicht ein Hinweis für alle die sich keine großen Landcruiser in die Garage stellen können ist der Toyota Landcruiser CR01 von Tamiya. Ich werde mir den zu Weihnachten gönnen und dann kann ich mein eigenes 1:10 Landcruiserexperiment aufbauen.

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Na das sieht ja prima aus! Schade nur dass du einen Teil wieder auseinanderbauen musst wenn du die Bremsscheibe entfetten willst.
Vokabeltraining: dein "Bremsscheibenhalter" heißt schlicht Nabe oder Radnabe, bitte nicht "Narbe" schreiben, da rollen sich immer die Zehnägel hoch.
Weitermachen!

Gruß Steffen

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Anonymous hat gesagt...

Mensch Peer, was ist los? So ein Tempo, da komme ich ja kaum noch mit ;-) Kleiner Hinweis: die noch nicht gekonterte Mutter vergißt man später gerne, wenn alles andere schon so schön montiert ist. Und dann wirds teuer... Ich würde die lieber jetzt schon richtig kontern, die Unterlagen mit dem Drehmoment hast Du sicher. Ich habe früher mal bei meinem Moped vergessen, die Schrauben vom vorderen Schutzblech richtig festzuziehen und spreche aus schmerzhafter Erfahrung. Trotzdem: weiter so, es geht voran.
Schorschi

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Anonymous Arche-Noah hat gesagt...

@ Nacht-Bar:

Bei Diesen-Schenkel wünsche ich MiR
Enkel = altes Sprich-Wort für Ero-Frauen-Schenkel !!!

Weit so... & you can...

Habe erste nächste-Woche wieder Zeit für die Arche...

www.arche-for-live.net

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Anonymous Anonymous hat gesagt...

Hattest Du eigentlich die Mutter jetzt noch gekontert und gesichert? Das ist nämlich so Kram, der mir irgendwann entfällt und sich dann nach ein paar Kilometern bemerkbar macht ;)

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Anonymous SirGroovy hat gesagt...

Servus Peer,

was ist denn das für ein Gefährt auf Bild 72/G das da im Hintergrund zu sehen ist? Sieht aus wie ein Go-Kart oder ein Kettcar.

CU

SirGroovy

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