Montag, 2. März 2009

Tag 183: Lasst uns biegen

<< rückwärts   Schnellnavigation   vorwärts >>

Hey Leute!

Ich bin wieder drin!

Hab's tatsächlich geschafft, die zwei Nicht-Boarding-Tage fast komplett in der Werkstatt zu verbringen und hab mich völlig stressfrei und entspannt mal wieder mit vollem Herzen meinem kleinen stählernen "Sorgenkind" gewidmet.

Die vergangenen Wochen haben mich ganz schön aus dem Trott gebracht. Erstmal die völlig neue Situation zu Hause, dann die damit verbundene Pause plus die Irrwege und Sackgassen mit Seilwinde und Konsorten. Da einen Anfang und vor allem die Motivation zu finden, hier wieder loszulegen war gar nicht so einfach.

Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich schon wieder richtig im Flow bin und vor allem richtig Bock habe, das Ding jetzt hier mal wieder mit ein bisschen mehr Elan und Zug anzugehen.

Und so wollen wir heute endlich mal damit beginnen, die Hinterachse aus dem Weg zu bekommen.

Und dazu fehlt eigentlich so gut wie nichts mehr.

Außer Räder…




…und Bremsleitungen.

Das wir die alten nicht behalten würden, war denke ich, hier eindeutiger Konsens.

Bereits vor rund fünfzig Landcruiser-Experiment-Arbeitstagen hatte ich beim Korrosionsschutzdepot neben diversem anderen Zeug einiges zum Thema Bremsleitungen gekauft.

Nämlich einmal so eine Bremsleitungs-Spirale, Bremsleitungsnippel, eine Biegezange (die ich entweder nicht raffe, oder die einfach gar nix taugt), eine Bördelmaschine, Bremsflüssigkeit, einen Bremsleitungsschneider, etc.

Hatte damals dann auch gleich mal mit Tag 137: Bördeln eine komplette Folge nur dem Thema "Erste Erfahrungen mit dem Bearbeiten von Bremsleitungen" gewidmet.

Mit den damals erworbenen Vorkenntnissen (so empfehle ich auch die Lektüre von Tag 137 ) mache ich mich heute daran, die Bremsleitung der Hinterachse anzugehen.




Und es ist Montag. Und nicht irgendwann unter der Woche nach halb zehn, sondern mitten am Tag.

Das heißt ich kann mal eben so nebenbei mit dem Fahrrad (mit dem Auto ist meine Frau noch unterwegs) zu AutoTip fahren und da noch fehlende Dinge einkaufen, die ich schon seit Wochen auf einem meiner diversen Notizzettel und Listen stehen habe.

Zumindest die, die mich im Kontext Bremsleitungen heute nur wieder vom Fortkommen hindern würden und ich notgedrungen was anderes anfangen müsste.

Das sind:

1. Weitere Bremsleitungsnippel (von den damals bestellten hatte ich viele für das abdichten der Bremsleitungsnippelgewinden in den Bremszangen, Ankerplatten etc. vorm Lackieren geopfert)

2. Schrumpfschlauch (den mit den dicksten Wänden, die sie hatten)

3. Und mehrere Meter gewebeummantelte Spritleitung zur Verwendung als Entlüftungsschlauch (Hatten wir vor wenigen Wochen erst diskutiert. Hier fehlen jetzt lediglich diese von einigen von Euch empfohlenen Aquarium-Ventile).




Diesmal zwacke ich keine kleinen Stückchen von der Bremsleitungsspirale ab, um sie versuchsweise zu bördeln oder zu biegen.

Heute brauchen wir ein wirklich langes durchgehendes Stück für das längere der beiden Bremsleitungsteilen der Hinterachse.




Hatte mir im Vorfeld total den Kopf gemacht, wie schwierig es wohl sein würde, ein wenigstens einigermaßen gerades Stück aus der Spirale herauszubiegen.

Das gestaltet sich viel unkomplizierter als gedacht. Es ist fast nur ein Aufrollen mit vorsichtig-kontinuierlichem Nachbiegen und man hat ein wirklich annehmbar gerades Stück da vor sich liegen.




Um in etwa zu wissen, wie lange das Stück aus der Spirale sein muss, um in der Gesamtlänge der an zig Stellen abgewinkelten Originalleitung zu gleichen, fahre ich mit dem Maßband Stück für Stück und Knick für Knick die alte Leitung nach.




Mit dem Rohrschneider (siehe Tag 137) trenne ich das abgemessene Stück Leitung von der Restspirale.

Natürlich ist die in Ihrer Gänze betrachtet alles andere als gerade aber die nah zusammenliegenden Abschnitte sind so gerade, dass die Stücke zwischen den ganzen reinzubiegenden Winkeln alle recht gerade sein werden.

Oder: Wie sage ich was ganz einfaches kompliziert.

Nun denn.





Die Originalleitungen waren an den Stellen vorne nah den Rädern, wo immer mal Kiesel, Dornen oder sonstiges von der Piste hochfliegen, mit einem schwarzen Kunststoff ummantelt.

Um diesen Effekt sowohl von seinem Zweck aber auch von der Optik her zu erreichen, verwende ich den heute erworbenen Schrumpfschlauch.

Bevor ich irgendwas biete oder bördele, ziehe ich schon mal den Schrumpfschlauch über.

Ein langes Stück für wie oben beschrieben und ein paar kleinere Stücken für dort, wo die Bremsleitung mit so Schellen an der Achse fixiert wird.




Dann kommen wir zum Thema Bördeln und ich kann endlich Mal wieder mit der Bördelmaschine loslegen.




Aber erstmal muss ich mir wieder zusammenreimen, was jetzt eigentlich wie hingehört.





Was ich mir aber vom letzten Mal gemerkt habe, weil ganz wichtig und ganz ärgerlich, wenn man's vergisst, ist, die Nippel vorm Bördeln über die Leitung zu schieben und dann später beim Biegen gut aufpassen, wo der Nippel gerade ist. Ist der Nippel nämlich hinterm Knick und das gebördelte Ende davor, kann man den Bremsleitungsteil gut und gerne vergessen, da man den Knick, sobald er ein bisschen stärker ist, nicht wieder so zurückgebogen bekommt, dass man den Nippel da wieder drüberkriegt. Oder aber die Leitung ist an der Stelle später durch die Biegerei nicht mehr zu gebrauchen.




Wie dem auch sei. Der Bördel ist gemacht und wir schrauben die Leitung an das schnell angeschraubte Bremsleitungs-Verzweigungs-T-Stück.

Die erste Biegung ist relativ leicht gemacht.




Stück für Stück und Knick für Knick biege ich mich weiter.




Ich hab das Gefühl, dass es recht flüssig vorangeht und auch gar nicht so schlecht aussieht.




Nach dem Differenzialdeckel geht es wieder in die Horizontale.

Und gleich darauf wieder ein Knick.




Auf der anderen Seite angelangt stelle ich fest, dass noch rund 7 Zentimeter zu viel Leitung da sind.





Na super. Das wird ein Spaß beim Bördeln.




Und es war ein spaß beim Bördeln.

Denn um das Ende der Leitung tief genug in die Bördelmaschine zu bekommen, musste ich den letzten Knick ein klein wenig zurückbiegen, was gar nicht so einfach war, da man an so kurzen Endstücken nicht genug Leitung hat, um sie als Hebel oder Gegenhebel zu nutzen.




Aber es hat geklappt und ich bewundere unser Werk:




Na wenn das nicht mal ne 1A Bremsleitung ist.




Besonders gut gefällt mir die Stelle mit dem Schrumpfschlauch.




So muss das sein.






Der Schrumpfschlauch wird, wie in Schweinfurt beim Elektro-Kurs gelernt, mit dem Feuerzeug heiß gemacht und zieht sich dann um die Leitung zusammen.




Wunderbar.




Können wir uns gleich dem zweiten Teilstück zuwenden.




Et violá.



Was für ein schöner Anblick und was für ein Gutes Gefühl!!!




Und wenn ich die Länge schon wüsste, dann könnte ich jetzt auch gleich die Entlüftungsleitung schon fertig machen.




Ganz so viel wird ich wohl nicht brauchen.




Aber mal so zum Ausprobieren wirkt es doch insgesamt sehr rund, oder?




Aber auf den Anblick mach ich mir jetzt erstmal nochn Bierchen auf. Und zwar einmal in der Werkstatt und hier jetzt gleich nochmal vorm Rechner.

Wisst Ihr, was das bedeutet????

-> -> -> Die Achse ist fertig!!!!

Es fehlen nur noch die Rüder und die Ölfüllung.

Ansonsten können wir an das Thema Hinterachse heute einen Haken machen.

Yeah!




Versteht Ihr, warum ich so gute Laune habe?

Nächste Woche setzen wir das Ding auf die Räder?

Abgemacht???!?!?

Bis späta!

Tsu.

<< rückwärts   Schnellnavigation   vorwärts >>


_________________________________________________________



11 Kommentare / Ratschläge

Anonymous Anonymous hat gesagt...

Zum schrumpfen von Schrumpfschlauch eignet sich auch hervorragend die Heißluftpistole.
Wird bei mir immer schöner als Feuerzeug und geht schneller.

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Anonymous hat gesagt...

Gratuliere zur fertiggestellten Achse!
Kleiner Tipp: Statt mit dem Feuerzeug, solltest Du den Schrumpfschlauch mit dem Heissluftfön erwärmen. So verringerst Du das Risiko, dass der Schrumpfschlauch verbrennt. Kleine und dünne Schläuche werden üblicherweise mit dem Lötkolben erwärmt.

Gruss
Andy

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Anonymous hat gesagt...

Thumps up.
Gut gemacht.
So nen Biegezange ist echt Essig. Ich habe auch eine, aber a) sind die sehr fummelig und b) wenn man einmal im Flow ist, vergisst man die sowieso zu benutzen, da es ja echt gut um den Daumen zu biegen ist, oder wenn ein Radius schön werden soll auch mal um eine dicke Nuss..

Das Experiment ist wieder da, Montage werden besser,
zumindest Büs Laune;)

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Anonymous hat gesagt...

Hallo,habe Deine Seite seit ein paar Wochen im Visier und arbeite mich pro Besuch eine Woche von unten her hoch,also wirklich CHAPEAU!!!!Falls ich mal einen Tip geben kann werde ich das auch gerne tun,bei Deinem Projekt lernt man wirklich eine Menge,Daumendrück und Beste Grüße,
Dietmar

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Anonymous hat gesagt...

Hallo,
wenn Du einen Knick nahe am Ende der Leitung zurückbiegen musst, geht das gut mit einem Stück Rohr,das Du über die Bremsleitung schiebst. Das Rohr muss im Innendurchmesser etwas grösser sein als die Bremsleitung aussen. Das Rohrstück innen gut entgraten.
Grüsse aus der Schweiz

Christian

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Tsuppari hat gesagt...

ha! das sind die feinheiten. danke christian.

heissluftpistole muss ich noch anschaffen! guter hinweis!

und dietmar: willkommen im experiemnt und danke für das kompliment!

beste grüße an die ganze Bande!

Tsuppari

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous ThinkPad hat gesagt...

Kauf dir gleich ne Anstaendige bei der du die Temperatur digital einstellen kannst. Oftmals will man naemlich z.B. mal einen Lagersitz auf 150 oder 200 grad vorwaermen. Das geht dann wunderbar...

Viele Gruesse, Klaus

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Alex hat gesagt...

Also entschuldige bitte ThinkPad, aber nur weil das Ding dann eine Digitalanzeige hat wird die Temperatur der Luft nicht genauer. Das ist ein weit verbreiteter Trugschluss, dass digitale Geräte bis auf die Kommastelle genau sind. Und es ist auch ein Trugschluss, davon auszugehen, dass wenn 200 °C angezeigt werden dann auch der Lagersitz diese Temperatur annimmt. Das kann nur mit einem Oberflächentemperaturfühler (der ebenfalls ungenau ist) direkt am Sitz gemessen werden. Und für die unnütze Anzeige übertrieben gesagt 50 Okken abzulatzen ist für mich Wucher. Tsu kann dafür seinen Kindern mal eine Freude bereiten, oder seine Frau zu einem Essen am anstehenden Weltfrauentag einladen.

Gruß
alex

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Tsuppari hat gesagt...

nix da weltfrauentag!

wo kommen wir denn da hin? essen gibt's jeden abend.

a propos. es ist glaube ich noch suppe im gefrierschrank!

gez.

der Aufmüpfige

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Alex hat gesagt...

richtig! das bier am vatertag müssen wir uns ja auch selbst besorgen...

<$BlogCommentDateTime $>

 
Anonymous Anonymous hat gesagt...

Ich hätte ja Bedenken, daß Feuchtigkeit unter den Schrumpfschlauch kriecht und es dann erst richtig gammelt. Es gibt auch Schrumpfschlauch mit einer innenliegenden Schicht Heißleber.
Der wäre meiner Meinung nach besser geeignet.
Allgemein zum Schrumpfen. Den Schrumpfschlauch nur so lange erwärmen, bis er glänzend wird. Dann ist es genug. So zumindest unser Ausbilder beim Lehrgang für Kabelmuffen.

Gruß
J9 Andy

<$BlogCommentDateTime $>

 

Kommentar posten

<< Home

Zum Seitenanfang / Das Experiment jetzt weiterempfehlen!

Flattr this

___________________________